"Der Pilanzenname Kedros kommt bei mehreren griechischen Schriftstellern vor; wer aber überall ihn auf einen einzigen Baum oder Strauch beziehen wollte, dürfte sich wahrscheinlich irren. Pausanias berichtet, dass man die Bildsäulen der Götter aus Kedrosholz gemacht habe, welches aber dies war, wage ich nicht zu bestimmen. Dioscorides hat zwei Arten Kedros, eine große und eine kleine; letztere sey dem Wachholder ähnlich, dornig, und habe runde Beeren wie die Myrte. Dies dürfte Juniperus lycia seyn , die Tournefort gemein auf den griechischen Inseln und besonders häufig auf Naxia fand. Den Kedros der Hippokratiker beziehe ich aber auf eine andere Pflanze, und zwar auf Juniperus Oxycedrus L. , es wird nämlich in den bippokratischen Schriften meistens der kretische Kedros empfohlen, und Tournefort fand den genannten Strauch auf dem Ida - Gebirge der Insel Kreta, wo ihn die beutigen Griechen noch immer Kedros nennen. Dumont d'Urville sah ihn überaus häufig auf Kos, Samos, Melos und andern Inseln.
Die Hippokratiker gaben die Beeren mit Wasser gegen den weißen Fluss ; mit Wein und andern Mitteln bei schwerer Geburtsarbeit . Gegen hysterische Beschwerden sowohl innerlich als auch zum Beräuchern wurden sie häufig verordnet . Gegen Askariden brauchte man das Kedrosöhl . Den Kedroswein , dessen Bereitungsart man bei Dioscorides nachlesen kann, brauchte man auch bei Mutterbeschwerden). Ueberdem wurde der Kedros zu Mutterklistieren und Muttertränken verwendet . Das Harz wurde zum Beräuchern gebraucht.
Hier ist auch noch der Cedernhonig zu erwähnen, der zur Heilung der Geschwüre in Verbindung mit andern Mitteln empfohlen wird. Sehr viel ist schon über denselben geschrieben worden; besonders haben Beishe und Fabri die Sache ausführlich behandelt, worauf ich hier verweisen muss. Wenn wir Galen Glauben beimessen dürfen, so wird der gedachte Honig von den Cedern des Berges Libanon, Pinus Cedrus L. gesammelt, indem man Felle unter den Bäumen ausbreitet, auf die er herabtröpfelt, worauf er in Gefäße gefüllt wird. Auch Bellonius spricht von einer flüssigen Manna, die die Mönche oder Calojers auf dem Berge Sinai sammeln, die auch nach Kairo zum Verkaufe gebracht wird . Uebrigens halte ich mit Mathiolus den großen kedros des Dioscorides für die Ceder vom Libanon."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)