"Ilex aquifolium L., Hülse, Stechpalme. (Beim Landmann unter dem Namen Leidendorn bekannt.)
Eine Abkochung von zwei bis drei Lot der Blätter auf ein Maß Wasser ist ein Hausmittel gegen Gelenksteifigkeit und chronische Gicht. Es wirkt gelinde auf die Haut und den Darm. Auch habe ich das Mittel gegen Blasenverschleimung, gleich den Blättern der Bärentraube (Folia Uvae ursi) wirksam gefunden.
Die Blätter der Stechpalme oder Steineiche (zwei bis vier Lot mit anderthalb Pfund Wasser eine halbe Stunde gekocht, und solchen Tee Tagüber kalt getrunken, und damit 18—24 Tage kontinuiert) sind bei Magenschwäche, schlechter Verdauung, langwieriger Blasenverschleimung, Schleimhusten, bei chronischer Gicht und Rheumatismus, besonders aber beim Wechselfieber, höchst wirksam. Hier empfahl sie unter anderen schon Beil. Da dieses Strauchgewächs sich in den meisten Eichenwäldern, zumal in Sachsen, Westfalen, Holstein, Mecklenburg u. s. w. als sogenanntes Unterholz viel findet, so gebraucht es der Landmann, da es ihm Nichts oder auf der Apotheke sehr wenig kostet, gegen kalte Fieber so: Man nimmt ein halbes Lot von den im Schatten gut getrockneten stachelichen Blättern der Stechpalme (vom Landmann Fuh-Hülsen genannt), gieße zwei Obertassen kochendes Wasser darauf, lasse dies zwölf Stunden hindurch in heißer Asche oder in der Wärme des Ofens, im gut verdeckten Gefäße, ziehen, seihe es durch Leinwand oder Flanell, und setze ein Lot weißen Zucker hinzu. Diese Portion trinkt man zwei Stunden vor dem Eintritt des Fieberanfalls, entweder auf einmal oder zur Hälfte, kurz nacheinander, und fährt damit fort, bis das Fieber aufhört, d. h. ausbleibt, wozu es oft nur einer Portion, zuweilen zwei, selten mehr als vier bedarf und man vor Rückfällen in der Regel gesichert ist."
(Georg Friedrich Most: Enzyklopädie der Volksmedizin von 1843)