"[III.87. - Galbanum] - Ferula rubricaulis (Umbelliferae)
Die Chalbane ist der Saft eines in Syrien wachsenden Steckenkrautes, welches Einige auch Metopion nennen. Als bestes Galbanum gilt das, welches weihrauchähnlich, körnig, rein, fettig, holzfrei ist und etwas Samen und Steckenkraut untermischt enthält, welches einen scharfen Geruch hat und weder sehr feucht noch aber auch sehr trocken ist. Sie verfälschen es durch Zusatz von Harz, Bohnenmehl und Ammoniakum. Es hat erwärmende, brennende, reizende und verteilende Kraft, Im Zäpfchen und in der Räucherung angewandt befördert es die Menstruation und treibt den Fötus aus. Mit Essig und Natron aufgestrichen vertreibt es Leberflecken. Getrunken wird es aber gegen alten Husten, Athemnoth, Asthma, innere Rupturen und Krämpfe. Mit Wein und Myrrhe genommen ist es ein Gegenmittel gegen Gift; es wirft auch, in gleicher Weise genommen, den toten Fötus heraus. Ferner wird es bei Seitenschmerzen und Furunkeln aufgelegt. Epileptische, von Mutterkrämpfen und Schwindel Befallene regt es als Riechmittel an. Wilde Tiere verscheucht es, wenn es zur Räucherung angezündet wird, die damit Eingesalbten schützt es vor den Bissen derselben. Schlangen tötet es, wenn es mit Bärenklau und Öl in deren Nähe gebracht wird. Zahnschmerz lindert es herumstrichenen oder in den hohlen Zahn gesteckt. Es scheint aber auch Harnverhaltung zu bewirken. Zu Tränken wird es aber mit bitteren Mandeln und Wasser, oder Raute oder Honigmeth oder warmem Brode gemischt; anders aber mit Mohnsaft, gebranntem Kupfer oder feuchter Galle. Wenn du dasselbe reinigen willst, so gib es in siedendes Wasser; denn wenn es geschmolzen ist, wird der Schmutz obenauf schwimmen, den du so absonderst: Gib es in ein lockeres leinenes Säckchen und hänge dieses in eine eherne Büchse oder ein ehernes Gefäß, so daß der Beutel den Boden des Gefäßes nicht berührt, lege einen Deckel darauf und setze es in kochendes Wasser; denn so wird das Brauchbare wie durch ein Seibetuch sich abscheiden. das Holzige aber bleibt im Leinensacke zurück."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)