"Der Senf (Semen Sinapis nigrae) enthält eine große Schärfe, welche von seinem flüchtigen Öle herrührt. Er gehört zu den Mitteln gegen Fäulnis der Säfte und Skorbut, und ist gleichfalls bei Lungen- und Magenverschleimung gut. Auch gegen Blasenverschleimung, Flatulenz der Hypochonder, gegen den aus dem Unterleib herrührenden Schwindel, gegen rheumatische Taubheit, Zungen-, Schlund- und Darmlähmung, selbst gegen chronische Gicht lobt man den Senf. In den letztgenannten vier Leiden zieht man den weißen, nicht gemahlenen Senf (Semen Sinapis albae), täglich zwei- bis dreimal einen Teelöffel voll mit Wasser, vor. Als äußerliches rotmachendes Mittel ist der gemahlene, mit kaltem Wasser (nicht mit Essig oder heißem Wasser) bereitete Senfteig (vom käuflichen englischen Senfmehl), welcher auf die vorher mit Flanell und heißem Wasser rotgeriebene, geeignete Hautstelle, bei Kindern nicht länger, als zehn, bei Erwachsenen höchstens zwanzig Minuten, gelegt wird, nützlich. Ein gutes Brechmittel bei vielen Arten von Vergiftung, Schlagfluss, Lähmungen ist das sogenannte Senfbrechmittel der Engländer (mustard emétick). Man rührt einen Teelöffel voll Senfmehl unter ein Glas Wasser und trinkt es auf einmal aus. Es soll, nach Thomson kräftig und schnell wirken.
Gegen einen hartnäckigen, mit Taubheit verbundenen Schwindel fand Fritze nicht zerriebenen Senf, alle Morgen zu ein Quäntchen mit Brot verspeist, sehr heilsam. Dasselbe Mittel habe ich alten gedächtnisschwachen Leuten zur Stärkung ihres Gedächtnisses mit Erfolg gebrauchen lassen. Das ätherische Senfsamenöl (Oleum Sinapis aethereum) ist nicht allein ein belebendes Riechmittel, ein rotmachendes, derivierendes, die Haut reizendes Mittel, sondern auch sehr wirksam zum Einreiben in gelähmte Glieder; z. B. in folgender Mischung: ätherisches Senföl, eine halbe Drachme, Alkohol, sechs Lot. Ein sehr scharfer, bei tiefen Ohnmachten, Scheintod, Sopor, nach Schlagfluss, heftiger Cholera in die Herzgrube und an die Waden zu applizierenden Senfteig besteht aus: grob gestoßenem schwarzen Senf, drei Lot, Roggenmehl, ein Lot, kaustischem Salmiakgeist so viel, als nötig ist, um ein weiches Kataplasma zu bilden."
(Georg Friedrich Most: Enzyklopädie der Volksmedizin von 1843)
"Senf, Sinapis.
Der schwarze Senfsamen (Semen Sinapis nigrae) wirkt reizend auf den Magen, befördert die Esslust, ist daher ein magenstärkendes Mittel, löst den zähen Schleim im Darmkanal, in den Lungen und der Blase auf, wirkt auf den Schweiß und Harn und stärkt selbst das Gedächtnis. Der tägliche Genuss von drei bis sechs Teelöffel voll frisch gemahlenem Senf in die Fleischsuppen gemischt, zum Fleisch und Gemüse verspeist, ist gegen Flatulenz, Magendrücken und den Schwindel hypochondrischer Personen, gegen Schleimasthma, rheumatische Taubheit, Skorbut, selbst gegen Zungen-, Schlund- und Darmlähmung mit Nutzen gebraucht worden. Auch ist der Senf ein stimulierendes Mittel. Ein Absud von drei Quäntchen englischem Senf, zwei Lot Honig und ein Pfund Wasser, Abends vor dem Schlafengehen genommen, bewirkt bei Skorbutischen starke Transpiration, worauf sich die Kranken gleich am anderen Morgen erleichtert fühlen. Dr. Fritze fand gegen einen hartnäckigen, mit Taubheit verbundenen Schwindel den Senf, Morgens nüchtern zu einem Quäntchen verschluckt, sehr heilsam. Die Ärzte John und Cooke loben besonders den weißen, nicht gemahlenen, unzerquetschten Senf (Semen Sinapis albae) gegen Magenschwäche und Gicht. Man nimmt dreimal täglich einen Teelöffel voll mit Wasser. Ein Mehreres über die innerliche und äußerliche Anwendung des Senfs ist schon anderswo mitgeteilt."
(Georg Friedrich Most: Enzyklopädie der Volksmedizin von 1843)