"Gewöhnlich versteht man unter Elaterion bloß ein aus der Eselsgurke, Momordica Elaterium L. bereitetes Purgirmittel , wo dann das Gewächs, wilde Gurke heißt, oft aber wird auch die Pflanze selbst Elaterion genannt. Sie wächst in den südlichen Ländern Europens gemein wild, kommt aber auch in andern Welttheilen vor; so fanden sie schon die Krieger Alexanders des Großen als sie nach Gedrosien kamen; es waren dornige auf der Erde liegende saftige Früchte wie Gurken , die die Thiere blind machten , wenn etwas davon in die Augen kam.
Das Elaterion war ein bei den Alten so häufig und allgemein gebrauchtes Purgirmittel , dass man unter diesem Namen selbst überhaupt ein abführendes Medikament verstand, gleichviel woraus es bereitet war , es ist daher zweckmäßig von demselben etwas ausführlicher zu sprechen. Wir verstehen jetzt unter Elaterium den aus der Eselsgurhe ausgepressten und eingedickten Saft, mithin eine Art Extrakt; nicht so die Alten, wie aus der Bereitungsart erhellt, welche Dioscorides ausführlich angibt, aus der hervorgeht, dass es vielmehr eine Art Satzmehl (faecula) war, das aus dem ausgepressten Saft sich absetzte. Als gehörig bereitet sieht Dioscorides das Mittel an, wenn es weiß , leicht, sehr bitter und entzündlich ist. Dass man es bisweilen mit Amylum verfälschte bemerkt derselbe ebenfalls. Zum Gebrauch sey es am besten, wenn es 2— 10 Jahr alt geworden wäre. Die volle Dosis des Mittels war 12 Gran ; die geringste 6 Gran. Kindern gab man 4 Gran, denn in stärkerer Dosis, sagt Dioscorides, sind nachtheilige Folgen zu fürchten. Wollte man das Elaterion als Purgirmittel geben , so wurde Salz und Senf hinzugesetzt, und daraus erbsengroße Pillen bereitet; nachdem der Kranke diese verschluckt hatte, musste er einen Becher warmes Wasser nachtrinken. Sollte das Elaterium als Brechmittel dienen, so verdünnte man es mit Wasser und bestrich dann den untern Theil der Zunge des Kranken damit, brach der Kranke nicht leicht, so verdünnte man das Elaterion mit Oehl oder mit der Irissalbe. War die abführende Wirkung sehr heftig, so ließ man Wein mit Oehl gemischt trinken, worauf Erbrechen erfolgte und der allzuhäufige Stuhlgang aufhörte. Gegen allzuhäufiges Brechen aber ließ man kaltes Wasser trinken, oder Wasser und Essig, oder Aepfelsaft und dergleichen.
Man schrieb dem Elaterion die Kraft zu, den Schleim sowdhl als die Galle abzuführen, und da die Verfasser einiger hippokratischen Schriften fast alle Krankheiten von dem Schleime oder der Galle ableiteten, so lässt sich schon daraus annehmen, dass dies Mittel sehr häufig in denselben genannt wurde , welches alles anzuführen unnöthig wäre. —Zur Austreibung der Nachgeburt gab man es mit Wein . In Pessarien und Klistiren brachte man es zu verschiedenen Zwecken bei . Um wildes Fleisch in Geschwüren wegzunehmen , ließ Hippokrates das gepulverte Elaterion einstreuen . Merkwürdig ist die schon damals gemachte Erfahrung, dass die Milch einer säugenden Frau, oder auch einer Ziege, der man Elaterium gegeben hatte, eine purgirende Eigenschaft bekam . Den Saft der Blätter gab man mit Natron gegen die Wassersucht . Gegen Scorbut brauchte man die Blätter mit Honig , Salz , Oehl und dem Saft des Mangolds . Die Wurzel wendete man gegen die Gelbsucht in Bädern an ; getrocknet und pulverisirt ließ man sie gegen Epheliden mit Weinhefe einreiben."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)