"Momordica elaterium (Ecballium elaterium)
Man hat von der Momordica Elaterium in frühem Zeiten die Wurzel unter dem Nahmen Radix Cncumeris asinini, und auch die frischen Früchte, Cucumeres asinini, als ein sehr wirksames Arzneymittel angewendet. Wenn gleich geruchlos, so zeigen sich doch Wurzel und Früchte von sehr bitterm und etwas eckelerregendem Geschmacke. Die Alten bemerkten schon, dass dieses Mittel Erbrechen errege und zu den stark drastischen Purgirmitteln gehöre, und daher von ihnen auch in der Wassersucht angewendet wurde ; in geringem Gaben aber auflöse und die Verstopfung der Eingeweide hebe. Im erstem Falle empfahl Dioscorides fünfzehn Gran vom Safte, und Avicenna eben so viel von der Wurzel; Fallopius hingegen war so kühn es bis zu einem Quentchen zu verordnen. Mesue ließ es, um Entzündung und Schneiden zu verhüten, in Verbindung mit Bdellium, Traganth oder süßer Milch nehmen. Auch äußerlich verordnete man es bey wässerigen Geschwülsten mit Malz aufgelegt; bey der Podagra mit Essig gekocht; beym Hüftweh mit Wasser gekocht; bey verschiedenen chronischen Hautkrankheiten legte man es trocken und zerrieben auf.
Aus dem Safte der Frucht bereitete man auch das sogenannte Elaterium, und zwar geschah dies auf sehr verschiedene Art. Indessen kamen alle Bereitungsarten darin überein, dass man den Saft entweder von selbst ausfließen ließ, oder durch Auspressen zu gewinnen suchte, und dann aus demselben entweder durch Absetzen eine Fecula schied, oder durch Abdunsten ihn in ein Extract verwandelte. Die Fecula war jedoch nicht ganz weiß, sondern mehr oder weniger ins Grüne fallend, dennoch aber erhielt diese den Nahmen weißes Elaterium, Elaterium album, zum Unterschiede von dem Extracte, welches man schwarzes Elaterium, Elaterium nigrum, nannte.— Von den Alten wird das Elaterium einstimmig für ein heftig wirkendes Purgirmittel gehalten , und daher nannten sie auch jedes stark wirkende Purgirmittel Elaterium.
Neuerlich hat man auch in England die Momordica Elaterium chemisch untersucht, ... Das Elaterin soll die purgirende und brechenerregende Eigenschaft im höchsten Grade enthalten."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Achter Band. 1822)