"[IV.152. - Wilde Gurke] - Ecballium elaterium (Cucurbitaceae) - Springgurke
Der wilde Sikys [Einige nennen ihn Elaterion, Andere Grynon, Balis, Synkrisis, Bubalion, Skopion, Pherombron, Peukedanon, Notion, die Römer Ancentum, auch Cucumeris rusticus oder agrestig, die Afrikaner Kusimezar] unterscheidet sich von der gebauten Gurke nur durch die Frucht, welche viel kleiner ist und länglichen Eicheln gleicht. Die Blätter und Zweige sind denen der gebauten ähnlich. Die Wurzel ist weiss und gross. Er wächst auf Baustellen und an sandigen Plätzen. Der ganze Strauch ist bitter. Der Saft, eingetröpfelt, ist ein gutes Mittel bei Ohrenscmerzen. Die Wurzel, mit Graupen umgeschlagen, zertheilt jedes Oedem; mit Terpentinharz aufgelegt reisst sie Drüsen auf, mit Essig gekocht als Kataplasma vertreibt sie Podagra. Die Abkochung ist gut als Klystier bei Ischias und als Mundspülwasser bei Zahnschmerzen, trocken fein gestossen vertreibt sie weisse Flecken, Aussatz und Flechten und bringt dunkle Narben und Male im Gesichte weg. Auch der Saft der Wurzel, in der Menge von 3 halben Obolen als kleinste Gabe, ebenso die Rinde, etwa ¼ Essignäpfchen voll reinigen von Schleim und Galle, besonders bei Wassersüchtigen, und zwar wird die Reinigung bewirkt, ohne den Magen anzugreifen. Man muss von der Wurzel ½ Pfund nehmen und mit 2 Xestes Wein, am besten ligurischem, fein stossen und davon nüchtern 8 Becher drei Tage geben, bis die Geschwulst gehörig geschwunden ist."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[IV.155. - Elaterion] - Elaterium anglicum und Elaterium germanicum
Das sogen. Elaterion wird aus der Frucht der Springgurken auf folgende Weise bereitet. Sammle die bei der Berührung sofort abfallenden Früchte, lege sie weg und lass sie eine Nacht liegen; am anderen Tage lege ein loses Sieb über einen Krug, befestige ein zurückgebogenes Messerchen so, dass es die Schneide nach oben hat, nimm mit beiden Händen je eine der Gurken, zertheile sie und presse die Flüssigikeit in den untergestellten Krug. Presse auch die daran befindlichen fleischigen Theile, die auf dem Siebe liegen, damit auch diese Flüssigkeit durchfalle und gib das von den Gurken Ausgepresste in ein bereit stehendes Becken. Die Schnitzel auf dem Siebe häufe zusammen, übergiesse sie mit süssem Wasser und presse sie aus, dann wirf sie weg. Die im Becken befindliche Flüssigkeit rühre um, bedecke sie mit einem Leintuche und setze sie in die Sonne. Nach dem Absetzen giesse das überstehende, Wasser mit der darauf gebildeten Schicht ab und thue dies so oft, als noch überstehendes Wasser vor- handen ist. Dieses nimm vorsichtig mit einem Schwamm heraus, den Bodensatz gib in einen Mörser, reibe ihn fein und forme ihn zu Pa- stillen. Einige, um die Flüissigkeit rasch einzutrocknen, streuen gesiebte Asche auf die Erde, machen in der Mitte eine Höhlung, breiten drei- fache Leinwand darüber aus und giessen das Elaterion mit der Flüssigkeit darauf. Die trocken gewordene Masse reiben sie im Mörser fein, wie vorher angegeben. Einige giessen statt des Wassers Meerwasser zum Auswaschen zu, Andere geben beim Letzten Auswaschenen Honigmeth zu. Dasjenige Elaterion scheint das beste zu sein, welches bei weisser Farbe mässig feucht, leicht, glatt, bitter von Geschmack ist und, an die Lampe gebracht, sich leicht entzündet, das lauchgrüne, schäbige, schlammig aussehende, viel Erbsen und Asche enthaltende und schwere ist untauglich. Einige mischen unter den Gurkensaft Stärkemehl, damit er weiss und leicht bleibt. Zum Purgiren ist das zwei- bis zehnjährige ein ge- eignetes Mittel. Die volle Dosis ist 1 Obolos, die kleinste ½ Obolos, für Kinder 1 Dichalkos, denn mehr genommen bringt Gefahr. Es be-wirkt Reinigung nach oben und unten, indem es Schleim und Galle ab- führt; für diejenigen, welche an Athemnoth leiden, ist es das beste Purgirmittel. Wenn du nun durch den Bauch purgiren willst, mische das Doppelte an Salz zu und Senf, soviel zum Färben nöthig ist, gib dieses in mit Wasser geformten erbsengrossen Pillen und lass 1 Becher warmen Wassers nachschlürfen. Zum Erbrechen aber vertheile sie in Wasser und bestreiche mit enger (darein getauchten) Feder die Theile unter der Zunge möglichst nach innen zu. Wenn aber Jemand schwer zum Erbrechen kommt, vertheile sie in Oel oder Irissalbe, verhindere aber ein Einschlafen. Denen, welche übermässig purgiren muss man beständig gemischten Wein reichen, denn so werden sie zu brechen aufhören; wenn aber das Erbrechen nicht nachlässt, muss man kaltes Wasser, Graupen, Essigtrank, Obst und was sonst den Magen verdichten kann, reichen. Da Elaterion befördert auch die Menstruation und tödtet im Zäpfchen eingelegt den Embryo. Mit Milch in die Nasenlöcher injicirt befreit es von der Gelbsucht und vertreibt chronische Kopf- schmerzen. Für die an Entzündung der Schlundmuskeln Leidenden ist es mit altem Oel, Honig oder Ochsengalle eine bewährte Salbe. Die fein gestossene Wurzel der gebauten Gurke zu 1 Drachme mit Honigwasser getrunken bewirkt auch Erbrechen; wenn Jemand nach der Mahlzeit leicht erbrechen will, genügen 2 Obolen."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)