"Wegerich oder Schaaffzungen / würt auff Griechisch unn Lateinisch Arnoglossum genent. Er würt auch diß kraut zu latein Plantago geheyssen / welcher name inn den Apotecken bliben ist. Schaaffzung aber würdt es genent derhalben das sein blatt einer schaaffzungen gleich ist.
Nach anzeygung Dioscoridis / und aller allten so von den kreütern geschriben haben / seind des Wegerichs zwey geschlecht / groß und klein. Aber bey uns werden gefunden drey geschlecht / der groß / mittelst / und der spitzig wegerich / den man auch den schmalen nent. Den grossen nent man roten wegerich. Den mittelsten / breyten. Den dritten aber spitzigen wegerich / darumb das er spitzige und schmale bletter hat / wie der groß / breyte. Würt aber roter wegerich der ursach halben geheyssen / das seine äher mit dem samen ein wenig rotbraun seind.
Der groß Wegerich hat breyte bletter wie der Mangolt / die haben außwendig siben ripp / die sich alle am ende des blats gegen der wurtzel zusame tragen. Gewindt runde / oder zu zeiten / wie auch Dioscorides meldet / eckete harige stengel / einer spannen hoch / rotfarb / die seind von der mitte an biß an den gipffel zu ringßumb mit samen umbgeben und bedeckt. An seinen ähern findt man zuzeiten geele / unnd etwan auch grüne / blümlin. Sein wurtzel ist zart / zaserechtig / weiß / in der grösse eins fingers. Der mittelst unnd breyt Wegrich ist ein wenig kleiner. Seine bletter / die auff der erden als ein stern außgebreyt ligen / seind rauch unnd harig / mit siben gefalten rippen / ein yedes blatt so es volkomen ist einer zungen gleich. Die stengel seind rund / harig / spannen hoch / die tragen zu oberst weisse / mit purpurbraun vermischt / geäherte wolriechende blumen. Die wurtzel ist der vorigen gleich. Des spitzigen Wegerichs bletter seind schmeler / kleiner / weycher / gletter / unn zarter. Seine stengel seind ecket / neygen sich zur erden / tragen zu oberst bleychfarb geäherte blumen.
Der groß Wegrich wechst gern an feüchten orten. Deßgleichen auch der spitzig / doch auch an den rheynen / in gärten / und wisen.
Blüen allesampt gegen dem Meyen unnd Brachmonat. Der sam mag im Augstmonat gesamlet werden.
Wegrich kület unnd trücknet im andern grad.
Wegrich bletter trücknen auß / unnd ziehen zusamen. Darumb werden sie nützlich gebraucht zu allerley bösen /
flüssigen unnd unreynen wunden. Wegerich stellet das blut / unnd die rote rhur /
in sonderheyt der samen mit wein getruncken. Die bletter übergelegt heylen den wolff /
unnd alle fliessende schäden. Mögen auch nützlich übergelegt werden denen so von wütenden unnd rasenden hunden gebissen seind.
Item dem brand / den hitzigen apostemen / ohrmützel / unnd geschwulsten der drüß. Mit saltz übergelegt /
vertreiben sie die kröpff. Der safft von den blettern ist gut zu der mundfeule /
so man den mundt zum offtermal im tag darmit wäscht. In die fistel gethan / heylet er dieselbigen.
Er ist auch seer bequem den keichenden gegeben / unnd denen so den fallenden siechtagen haben.
In die ohren gethan / nimpt er hinweg jhren schmertzen. In die augen gethan / leschet er die hitz derselbigen.
Dienet auch wol denen so das zanfleysch blutet / und stäts blut außspeien. Gemellter safft getruncken /
oder in die weiblichen scham gethan / stopfft der weiber kranckheyt. Wegerich same mit wein getruncken /
stellet das blut außspeien. Die wurtzel von Wegrich gesotten und mit dem wasser den mund außgespület /
oder die wurtzel under den zenen kewet / benimpt das zanwee. Die wurtzel auch sampt den blettern in süssem wein getruncken /
heylen die geschwär der blasen unnd nieren. Seind auch gut zu der verstopffung der leber unnd nieren.
Drey diser wurtzel in vier lot wein unnd sovil wasser getruncken / vertreiben das drittäglich feber.
Der gleichen vier / das viertäglich. Ettlich hencken Wegrich wurtzel an den hals /
vermeynen die kröpff darmit zuvertreiben."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)