"Valeriana celtica
"Von der Valeriana celtica sammelte man ehedem die durch die Überreste der abgefallenen Blätter schuppig erscheinende Wurzel, wenn sie die jungen Blätter getrieben hatte, und hob sie in dem Arzneyvorrath unter dem Namen Spica celtica, oder auch Nardus celtica auf. Sie wird, wie Wulfen bemerkt, auf den Alpen von Steyermark und Kärnthen von den Judenberger Landleuten, die deshalb Speichgräber genannt werden, unter den Namen Spieke oder Speich, in großer Menge ausgegraben und nach Triest gebracht, von wo sie durch Handel nach Ägypten und Abyssinien geht. Dies stimmt nicht nur mit dem, was Matthiolus darüber sagt, überein, sondern auch mit dem, was Hasselquist darüber berichtet, der nämlich in seiner Reise nach Palästina erzählt, dass sie bey den Völkern im innern Afrika, den Abyssiniern und Äthiopiern, in hohem Ansehen stehe, so dass man aus Deutschland über Venedig jährlich 60 Tonnen dahin versende, deren jede mit ungefähr hundert Reichsthaler bezahlt werde, und dass man dort eine Salbe davon bereite, wodurch man bey der dort herrschenden großen Hitze die Haut weich und glänzend erhalte.
Die Wurzel der Valeriana celtica besitzt einen starken baldrianartigen, etwas gewürzhaften Geruch und einen scharfen, bitterlich -salzigen, gewürzhaften Geschmack, wovon erstrer, besonders beym Zerreiben, so stark ist, dass er Kopfweh erregt, und dass man ihn kaum ertragen kann. Nach diesen Eigenschaften zu schließen, muss man sich wundern, dass sie bey uns so ganz in Vergessenheit gekommen ist."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Neunter Band. 1825)