"Speierling oder Sporöpffel werden von den Griechen Oa und Va genent / zu Latein Sorba / welcher nam in den Apotecken bliben ist. Seind aber Sporöpffel oder Sproröpffel geheyssen worden darumb / das sie gantz sprör und rauch machen im hals / so mans ißt.
Der Sporöpffel werden fürnemlich drey geschlecht gefunden. Eins / welches öpffel oder frücht gantz rund seind. Das ander geschlecht hat ein langlechte frucht / aller gestalt nach wie ein ey formiert. Das dritt hat ein frucht die ist gegen dem styl zugespitzt unnd oben breyt / wie ein byrn. Sölche nent man Spörbyrn / und ist hie abgemalet.
Speierling ist ein hoher baum / mit einem auffrechten braunen stammen. Seine bletter wachsen an einem styl / der ist lang / in einer ordnung nach einander / allwegen zwey gegen einander / wie die flügel außgebreytet / anzusehen als wer es nur ein blatt. Am öbersten teyl ist ein ungerads blatt. Die bletter aber seind langlecht / zu ringßumbher zerkerfft / den Lorbeer blettern nit seer ungleich / doch kürtzer. Die blumen seind weiß / der Hopffen blust gleich. Die frücht rund / langlecht / oder gestalt wie ein byrn / wie oben angezeygt. Die wurtzel steet nit tieff im erdtrich / ist aber dick / und verdirbt nit leichtlich.
Spörbyrn wachsen gern an feüchten unn kalten orten / auch an den gebirgen.
Im Herbstmonat erzeygen die Speierling jre frücht und byrn.
Die Spörbyrn ziehen zusamen / wie die Nespeln / seind aber nit so krefftig.
Die unzeitigen Sporöpffel zerschnitten und an der sonnen gedörrt gessen / stellen den bauchfluß. Das meel von den Sporöpffeln in der speiß genossen / hat gleiche krafft. Die Spörbyrn gesotten unnd getruncken / stellen den bauchfluß. Man sol aber dise frucht nit zuvil brauchen in der speiß / sonder allein als ein artzney / dann wir sölcher nit als einer speiß / sonder als einer artzney noturfftig seind."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)