"Wir haben in Teutschland das gemeine Seifenkraut,
Saponaria officinalis L. gemein wild wachsend ; es
scheint aber die Pflanze nicht zu seyn, wovon die alten
griechischen Aerzte sprechen. Schon Mathiolus tadelte
den Leonhard Fuchs, dass er die gemeine Saponaria für
das Struthium der Alten halte, und ich möchte auf seine
Seite treten, wenn gleich neuerdings Kurt Sprengel in
Hinsicht der Pflanze dieses Nahmens bei Dioscorides dieselbe
Erklärung gab. Imperati , Apotheker in Neapel,
schickte an Caspar Bauhin eine andere Pflanze [Gypsophila
Struthium L.] mit dem Bemerken, dass man sie
in Neapel gemeinhin Lanaria nenne, weil man sich des
Saftes der Blätter und Wurzeln zum Reinigen der Wolle
bediene, und die er für das Struthium des Dioscorides
hält, welcher denselben Gebrauch angibt, und sie alleine gemeine, selbst dem Volke bekannte Pflanze nicht
beschreibt. In Mancha , einer spanischen Provinz, bedient
man sich noch immer der Wurzel dieser Pflanze
statt Seife. — Uebrigens ist es möglich, dass unter dem
Nahmen Struthiura mehrere Pflanzen ehedem hekannt
waren , auch ist nicht zu verschweigen , dass in Sibthorps
Flora die genannte Gypsophila fehlt.
Die Hippokratiker berichten, das Struthium wachse
an den Ufern von Andros; sie bedienten sich desselben
innerlich im Dekokt mit Wasser oder Wein hei beschwerlicher
Menstruation und wendeten es auch äußerlich
in Pessarien an . Welch ein wichtiges Arzneimittel
das Struthium im Alterthume war lehrt eine Stelle bei
Plinius wo es heißt, dass die Aerzte dasselbe
den goldenen Trank [aureum poculum] genannt hätten.
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)