Veratrum officinale (Schoenocaulon officinale)
"Die Kapseln mit den Samen sind unter dem Namen Semen Sabadillae (Sabadillsamen , Capuziner
Samen, Mexicanischer Läusesamen) officinell. Der Geruch fehlt, der Geschmack ist scharf
und unangenehm bitter. ... Die wesentlichen Bestandteile sind die
harzigen, hauptsächlich aber das Veratrin oder Sabadillin, welches im reinen Zustande weiß erscheint
nnd sehr scharf und brennend schmeckt und innerlich genommen sehr ähnliche Erscheinungen wie der
Arsenik hervorbringt. Zufolge ihrer Hauptbestandtheile gehören daher die Sabadillsamen zu den sehr
scharfen, drastischen, wurmwidrigen Mitteln und müssen mit der größten Vorsicht gebraucht werden,
wenn sie nicht Colic oder gar Entzündung des Darmkanals erregen sollen, ja selbst bei ihrer Anwendung
als äußeres Mittel sah man Betäubung, Schwindel, Krämpfe und sogar den Tod entstehen. Im
Ganzen macht man von ihnen nur seltner Gebrauch und bedient sich ihrer gegen Würmer, besonders
gegen den Bandwurm. Häufiger benutzt man sie als äußeres Mittel, namentlich als Streupulver gegen
Ungeziefer bei Ausschlägen und Geschwüren der Kopfhaut. Für die innere Anwendung bedient man
sich am Passendsten des Pulvers zu 2— 10 Gr. mit Zucker vermischt oder in Bissen oder Pillen. ..."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)