"Chelidonium: Schöllkraut ist eine ausdauernde, krautige Ruderalpflanze der gemäßigten und subtropischen Gebiete der Erde. Die Pflanze führt in allen Organen in gegliederten Milchröhren einen gelbroten Milchsaft.
Die Droge Schöllkraut besteht aus den zur Blütezeit gesammelten, getrockneten, oberirdischen Teilen von Chelidonium majus. Ihr Geruch ist schwach und eigenartig, ihr Geschmack bitter, scharf und unangenehm. Inhaltsstoffe sind 0,1-1% Gesamtalkaloide, darunter Chelidonin, Sanguinarin und Chelerythrin. Die Alkaloide liegen zum Teil als Salze der Chelidoninsäure vor.
Mögliche Zubereitungsformen sind: selten als Infus, häufiger als Trockenextrakt zu Dragees oder als Tinktur zu Tropfen (in der Regel als Bestandteil von Kombinationspräparaten) verarbeitet. Es sind keine rationalen Anwendungsgebiete für Schöllkraut bekannt. Galenika und Fertigarzneipräparate werden empfohlen bei chronischen Cholezystopathien, bei Beschwerden nach Galleoperation, sowie bei funktionellen STörungen im Gellenwegsbereich. Die meisten Arzneimittel sind, um Spasmolysewirkung erzielen zu können, ganz erheblich unterdosiert. Bei Überdosierung treten Magenschmerzen, Darmkoliken, Harndrang und Hämaturie auf, begleitet von Schwindel und Benommenheit. Da Teezubereitungen nicht gut dosierbar sind, muss von der Verwendung des Schöllkrauts als Aufguss abgeraten werden.
Die Warzenbehandlung besteht darin, den frischen Milchsaft auf die Warzen aufzutragen und ihn eintrocknen zu lassen. Der Behandlungsversuch soll längere Zeit fortgesetzt werden. Als Ersatz für den frischen Chelidonium-Milchsaft eignet sich die Chelidonium-Urtinktur. Sie ist eine goldgelbe Lösung von leicht bitterem Geschmack und ohne besonderen Geruch."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)