"Großschöllkraut, Chelidonium maius, L. mit doldenförmig stehenden Blumenstielen, ein bekanntes Unkraut mit
perennirender Wurzel an schattigen Hecken, Mauern und Steinhaufen, welches vom April an bis in den Herbst gelb
blüht, und in allen Theilen voll eines stinkenden, bitter und beißend brennenden gelben Milchsaftes ist.
Die Alten rühmten das Kraut und die fingerdicke röthliche Wurzel (hb. rad. chelidonii maioris) sowohl getrocknet
als frisch (den ausgepreßten Saft) in Verstopfungen der Eingeweide, besonders der Leber als ein auflösendes,
vorzüglich aber in der Wassersucht als ein Harn treibendes Mittel, in welchen Fällen man diese scharfe Substanz
nur mit vielem Getränke aufgelöst oder aufgesoffen und nur zu wenigen Granen geben darf. Aeußerlich beweist diese
Pflanze (vorzüglich der Saft) ihre Aetzkraft, indem sie durch anhaltenden Gebrauch die Warzen wegbeizt, und die
faulen Geschwüre zu einer thätigen Entzündung reitzt. Zu letzter Absicht brauchen sie noch die Viehärzte. Was
sie gegen Scharbock innerlich und gegen Hautausschläge äußerlich leiste, bedarf, so wie jeder übrige Gebrauch
derselben, noch genauerer Untersuchung."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)