"[II.211. - Grosses Chelidonion] - Chelidonium majus (Papaveraceae) - Schöllkraut
Das grosse Chelidonion [Einige nennen es Paionia, Andere Krataia,
Aubios, Glaukios, die ganz göttliche Wurzel, Philomedeion, Othonion,
die Römer Fabium, die Gallier Thona, die Aegypter Mothoth, die Dakier
Kustane] entwickelt einen ellenhohen oder höheren dünnen Stengel,
welcher reichbeblätterte Nebentriebe hat. Die Blätter sind denen des
asiatischen Hahnenfusses ähnlich, die des Chelidonion sind jedoch weicher
und bläulichglaufarben, bei jedem Blatte steht eine Blüthe wie die der
Levkoje. Der Saft ist safranfarbig, scharf, beissend, etwas bitter und von
schlechtem Geruch. Die Wurzel ist oben einfach, unten sind es mehrere.
Die Frucht ist wie die des Hornmohns, zart, lang, wie ein Kegel, in ihr
befinden sich die Samen, grösser als die des Mohns. Der mit Honig gemischte und in einem ehernen Geschirr über Kohlen gekochte Saft dient
zur Schärfe des Gesichtes. Der Saft wird aus der Wurzel, aus den
Blättern, aus dem Stengel und der Frucht im Anfange des Sommers gewonnen und im Schatten getrocknet und (in Pastillen) geformt. Die
Wurzel mit Anis und Weisswein getrunken heilt die Gelbsucht und mit
Wein als Umschlag Bläschenausschlag. Die Pflanze scheint den Namen
Chelidonium zu haben, weil sie zugleich mit dem Eintreffen der Schwalben
blüht, mit dem Abzuge derselben welkt. Einige berichten, dass, wenn
eine von den jungen Schwalben erblinde, die Mutter das Kraut herbeihole und den Schaden heile."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)