"Spinae (Prunus spinosa) Die Schlehen sind mehr
warm als kalt, ein Bild des Uebermuthes, "Frebelkeit". Wer von
der Gicht bis zur Sinnesverwirrung geplagt ist, so dass er lahm
zu werden beginnt, der bereite einen Trank aus der Asche von
frischen oder alten Schlehen mit Gewürznelken, Zimmt und gekochtem
Honig mit Wein und geniesse diesen nüchtern mässig,
nach der Mahlzeit reichlicher, und er wird vollständig gesunden,
"quia iste potus melior auro est". Zu demselben Zwecke werden
auch die Früchte, "slehen", mit Honig geschmort. Wer an
schwachem Magen leidet, brate dieselben am Feuer oder koche sie
mit Wasser. Gegen Krebsschäden soll das Pulver der am Feuer
getrockneten inneren Kerne aufgestreut und nachher etwas Wein
aufgetröpfelt werden."
(Hildegard von Bingen: Physica (Liber simplicis medicinae), 1150 - 1160)