"Opium: Papaver somniferum gedeiht von den Tropen bis nach Nordnorwegen. Man muss zwischen Mohnanbau zur Ölgewinnung und zur Opiumgewinnung unterscheiden. Gemäß UNO-Protokoll aus dem Jahr 1953 ist der legale Opiumanbau auf folgende Länder beschränkt: Bulgarien, Griechenland, Iran, Indien, die Sowjetunion, Türkei und Jugoslawien. Große Anbaugebiete außerhalb der genannten Länder finden sich in China, Mexiko, Vietnam und vor allem im sog. goldenen Dreieck, dem Grenzgebiet zwischen Burma, Thailand und Laos.
Opium gewinnt man aus den noch unreifen Mohnkapseln, indem man sie absichtlich verletzt. Der austretende, zunächst weiße Milchsaft verfärbt sich rasch dunkel und trocknet über Nacht zu einer braunen, klebrigen Masse ein. Diese wird abgeschabt, gesammelt und in Sammelstellen zu Kugeln, Würfeln oder Ziegeln geformt.
Opium weist einen charakteristischen, narkotischen Geruch auf, der je nach Herkunft etwas unterschiedlich ist. Der Geschmack ist bitter und etwas scharf. Offizinelle Opiumpräparate der Pharmakopöen stammen aus Ländern, denen nach UNO-Konvention die Produktion erlaubt ist. Sie müssen bestimmten festgelegten Gehaltsforderungen entsprechen, z. B. nach mind. 10% Morphin, mind. 2% Codein und höchstens 3% Thebain.
Anwendung: Die Droge wird grundsätzlich wie Morphin als schmerz- und krampfstillendes Mittel verwendet. Sie ist ein wirksames Mittel zur Ruhigstellung des Darmes, die vor allem nach Ileostomie und Kolostomie angebracht sein kann. Auch bei unstillbarer Diarrhö und Dysenterie wird es verordnet. Die zur Obstipation nötige Dosis liegt deutlich unterhalb der zur Schmerzstillung nötigen.
Rauchopium: Eine bevorzugt auf Ostasien beschränkte Form der Opiumsucht ist die Sitte, Opium in "Tschandu" zu überführen um es rauchbar zu machen. Dabei wird ein ansehnlicher Teil der Alkaloide zerstört, störende Harze und Schleimstoffe entfernt und Aromastoffe gebildet.
Morphinhydrochlorid ist ein weißes kristallines Pulver mit bitterem Geschmack und ist im Handel in Würfelform erhältlich. Es findet Anwendung als Analgetikum, als orale Gabe bei leichten Schmerzen, in Ampullenform (subkutan) bei starken Schmerzen.
Codein gewinnt man zum geringen Teil durch Extraktion aus Opium, zum größten Teil partialsynthetisch durch Methylierung von Morphin.Im Vordergrund steht die Hemmung des Hustenzentrums. Bei vielen Patienten haben Codeindosen eine sedative und auch euphorisierende Komponente, sodass in seltenen Fällen Codeinabhängigkeit und chronische Vergiftung vorkommen können."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Papaverin: Die Substanz kommt in Mengen bis zu 1% in Opium vor und fällt bei der Morphingewinnung als Nebenprodukt an. Weitere Anteile des Produkts werden auf synthetischem Wege hergestellt. Offizinell ist das Papaverinhydrochlorid, ein weißes, kristallines Pulver, das in Wasser wenig, in Chloroform gut löslich ist.
Papaverin gehört zu den myotropen Spasmolytika, d.h. es greift unabhängig von der Innervation direkt an der Muskelzelle an. Ist die glatte Muskulatur von vornherin spastisch kontrahiert, so ist die spasmolytische Wirkung besonders ausgeprägt."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Noscapin: Die Droge, syn. auch Narcotin, kommt in einer durchschnittlichen Konzentration von 6% im Opium vor und zählt neben Morphin zu den Opium-Hauptalkaloiden. Man hatte lange keine Verwendung für die bei der Opiumgewinnung reichlich anfallende Substanz. Im Jahr 1954 entdeckte man ihre antitussiven Effekte. Noscapin und Noscapinhydrochlorid sind heute offizinell. Beide Stoffe sind eine farblose, geruchlose Substanz, das Hydrochlorid schmeckt bitter.
Noscapin wirkt hustenstillend, ohne aber die Wirkungsstärke des Codeins zu erreichen - man muss etwa doppelt so stark dosieren. Dafür fehlen der Droge die unerwünschten Wirkungen der Codein-Morphin-Gruppe: es beeinflusst in therapeutischen Dosen weder das Atemzentrum noch das Herz, auch nicht die Darmfunktion.
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)