"Mohnköpfe, Capita Papaveris. Die getrockneten Mohnköpfe samt den darin befindlichen Mohnsamen (Semina Papaveris) sind in manchen Gegenden Deutschlands unter dem Landvolk als ein Schlaf machendes Mittel, schreiende Säuglinge zur Ruhe zu bringen, bekannt. Man stößt einen Mohnkopf entzwei und kocht ihn und den Samen mit einer Tasse Wasser. Das Mittel kann indessen durch seinen Gehalt an Opium leicht kleinen Kindern schaden, indem es Leibesverstopfung, Kongestionen zum Kopf und Zuckungen zur Folge haben kann, weshalb davor zu warnen ist. Dagegen dient jene Abkochung, hinreichend mit Kandiszucker, Honig oder Sirup versüßt, größeren Kindern und Erwachsenen bei Krampfhusten, frischen Brustbeschwerden mit Heiserkeit, Halsbeschwerden. Hier passt auch das Mohnöl (Oleum Papaveris) mit Honig vermischt, — ein Göttinger Volksmittel gegen genannte Übel. Auch gegen Harnverhaltung kleiner Kinder rühmt Osiander eine Abkochung von Mohnköpfen."
(Georg Friedrich Most: Enzyklopädie der Volksmedizin von 1843)

"Opium, Mohnsaft.
Dieser, in den Händen des kenntnisreichen und vorsichtigen Arztes so herrliche Arzneikörper, gehört zu den narkotischen Giften, erregt daher in großen Dosen Betäubung, Schwindel, Bewusstlosigkeit, tiefen Schlaf, Konvulsionen, Lähmung der Glieder. Hilfsmittel sind: gleich Anfangs Entfernung des Giftes durch die Magenpumpe, durch ein starkes Brechmittel aus acht Gran Zinkvitriol in vier Unzen Wasser gelöst, wovon alle Viertelstunden ein bis zwei Esslöffel voll so lange gegeben werden, bis Erbrechen folgt. Außerdem dienen: kalte Kopfumschläge, Sturzbäder von kaltem Wasser, Umherführen im Freien durch zwei Personen, welche dem Schläfrigen stets unter die Arme greifen und vom Einschlafen abhalten. Starker, schwarzer Kaffee mit vielem Zucker und Zitronensaft ist gleichfalls ein Gegenmittel, so wie kaltes Wasser, dazwischen maßweise getrunken."
(Georg Friedrich Most: Enzyklopädie der Volksmedizin von 1843)