"Garten-Mohn, schlafmachender Mohn, Magsamen, Öhlmagen.
Wächst im Orient und im südlichen Europa auf wüsten Stellen.
Blühet im Junius und Julius.
Von dem Papaver somniferum kommt das Opium oder der Mohnsaft. Man gewinnt
das Opium in mehreren Gegenden des Orients, vorzüglich in Natolien, Persien, Arabien, Ostindien
und Ägypten, und zwar aus den noch nicht völlig reifen Kapseln. Man ist der Meinung,
dass dreyerley Sorten davon bereitet werden: eine, die man von dem ausfließenden Safte aus
den geritzten Kapseln bloß durch Austrocknen an der Luft erhalte; eine andre, die durch Auspressen
der Kapseln, Auskochen derselben mit Wasser und Eindicken über Feuer dargestellt werde
;
und eine dritte, die man durch Auskochen und Auspressen des ganzen Gewächses gewinne, und
diese letztere sey das Meconium der Alten. Man meint ferner, die erste Sorte Laslac (Lacrima
Opii) genannt, komme gar nicht zu uns, und nur die zweyte sey uns das bessere und gewöhnlich
im Handel vorkommende Opium.
Auch aus dem bey uns gezogenen
Gewächs lässt sich ein dem Opium ähnlicher Saft herstellen, der aber in seinen Wirkungen nicht so stark ist.
Die große Wirksamkeit dieses Mittels hat die Chemiker schon von frühem Zeiten her veranlasst,
sich mit der Untersuchung desselben zu beschäftigen; allein die meiste Aufhellung über
die Natur des Opiums ist uns erst jetzt durch Sertürner geworden. Derselbe entdeckte darin
ein eigenes Alkali, welches er Morphium nennt, und auch eine eigene Säure, die er mit dem
Nahmen Mekonsäure belegt. Nach
Sertürner’ s Versuchen müssen die therapeutischen Wirkungen des Opiums dem Morphium und
der Mekonsäure zugeschrieben werden, und zwar wirkt ersteres beruhigend, einschläfernd, letztere
hingegen als tödtendes Gift. Künftigen Versuchen ist es indessen noch Vorbehalten, über diesen
Gegenstand mehr Licht zu verbreiten."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Sechster Band. 1855.)