"Die Erläuterung der Stöbe des Dioscorides machte unsern Vätern gewaltige Mühe, die nicht immer mit dem gehörigen Erfolge belohnt wurde. Dioscorides gibt keine Beschreibung der Stöbe, indem er dies bei einer so gemeinen und allbekannten Pflanze gar nicht nöthig hielt. Theophrast und Galen beschreiben zwar das Gewächs, jedoch nur hurz und wenig kenntlich. Dodonäus gab eine Abbildung in seinem Kräuterbuche aus dem kaiserlichen Codex des Dioscorides in Wien, die etwas roh, dabei ohne Blume ist; er bemerkt aber dabei, dass Leonardus Paludanus eine solche Pflanze aus Cypern und dem Peloponnes mitgebracht habe, und wahrscheinlich auch die rechte Stöbe war. Honorius Belli schaffte hier zuerst vollkommenes Licht, und beschrieb die stachlichte Becherblume oder Bibernell Poterium spinosum unter dem Nahmen Stoebe legitima Dioscoridis; Rauwolf brachte sie später unter dem Namen Belan aus dem Orient. Cäsalpin sah sie in dem Garten zu Pisa und beschreibt sie genau , ohne jedoch zu bemerken , dass er das Stoebe der Alten vor sich habe; er verwechselt sie vielmehr mit dem Ppterion des Dioscorides [Astragalus Poterium]. Tournefort endlich fand die Pflanze als eine der gemeinsten in Griechenland, den Berg Ida, auf Kreta sah er damit ganz bedeckt ; eben so gemein sah er sie auf Milo und den übrigen Inseln des Archipelagus .
Die Hippokratiker bedienten sich der Stöbe bei Krankheiten des Uterus zum Räuchern ,den Samen gebrauchte man als Cataplas mit Wasser und Oehl gekocht , wozu man auch noch wohl die Blätter des Mangolds setzte , bei Verhärtung der Weiberbrüste."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)