"Sauerampfer, Rumex acetosa, L. mit getrennten Geschlechtern, und länglichten, pfeilförmigen Blättern,
ein kaum fußhohes Kraut mit perennirender Wurzel, welches auf Wiesen und in Gärten wuchert und im Brach- und
Heumonate gelbe männliche und weißlichte weibliche Blüthen trägt.
Dieses bekannte Kraut (Fol. Acetosae nostratis) besitzt einen sehr sauern Geschmack und wird deshalb nur
mit Spinat, Melde, u.s.w. als Gemüß gekocht. Als Absud, und noch besser als ausgepreßter Saft hat man diese
Blätter im Scharbock sehr erhoben, so wie auch in der Wassersucht. Man hat sie zur kühlenden Diät in hitzigen
Fiebern empfohlen. Getrocknet verlieren sie ihre Säure.
Des ausgepreßten Saftes kann man sich zur Bereitung des Sauerampfersalzes (sal. essentiale Acetosae) wovon das
Kraut 1/480 seines Gewichts enthält, bedienen, welches völlig mit dem Sauerkleesalze (w.s.) überein kömmt, und
eben so verfertigt wird. Die zerquetschten Blätter will man als ein Gegengift der schädlichen Hahnefußarten
befunden haben.
Man bedient sich vorzüglich einer höhern Spielart mit größern Blättern, woran die Haken rundlicher und kürzer sind
(Fol. Acetosae hispanicae). Diese ist auf den Alpen zu Hause und wird in Gärten gebauet.
Die jezt ungebräuchliche, aus gelben, bräunlichen Fasern bestehende Wurzel (Rad. Acetosae) von herbem,
adstringirend bitterlichem Geschmacke, ward von den Alten unwahrscheinlich als ein eröffnendes Mittel in Gelbsucht,
Wassersucht u.s.w. so wie wahrscheinlicher in Bauchflüssen gerühmt, und das rothfarbige Dekokt auch äusserlich gegen einige Hautausschläge angewendet.
Auch in dem Samen (Sem. Acetosae) haben die Alten eine adstringirende Wirkung finden wollen und ihn in Durchfällen
und Blutflüssen angewendet, ungeachtet geprüftere Mittel vorhanden waren."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1799)