"Die Ackerbohne, Vicia Faha L., in der Umgegend
des kaspischen Meeres einheimisch, scheint die älteste
Hülsenfrucht zu seyn, die man allgemeiner zu kultiviren
pflegte. Auch ist nur sie unter allen Leguminosen mehrfach
in die Mythologie der Alten verflochten, wozu neben
ihrer Nützlichkeit und den sehr nahrhaften Samen insbesondere
die eigene Coloration der Blumen und die besondere
Gestalt der Samen beigetragen haben mag. Die
Attiker hatten einen besonderen Heros, Kyamites oder
Bohnengott genannt, dem sie die Wahl der Obrigkeiten
durch Bohnen beilegten.
Bei den Feierlichkeiten, die man zu Ehren der verstorbenen
Anverwandten anzustellen gewohnt war, wurden
vorzugsweise Bohnen als Speise vorgetragen ; sie
schicken sich, wie die Alten behaupteten, vor allen dazu,
da auf ihren Blumen Trauerbuchstaben (literae lugubres)
sich vorfänden, worunter die schwarzen Flecken verstanden
sind, welche sich an den beiden Flügeln der Schmetterlingsblume
vorfinden; vielleicht gaben eben diese schwarzen
Flecken zu dem Glauben Veranlassung, dass die Seelen
der Verstorbenen in die Bohnen übergingen.
Bei den Lemurien oder Versöhnungsfesten der spukenden
Manen ging in mitternächtlicher Stunde der Hausvater,
um sie zu versöhnen, ohne Schuhe mit leisem
Tritte, im ganzen Hause schweigend umher, warf dann
schwarze Bohnen über den Kopf hinter sich, und wiederholte
die Worte : Mit diesen Bohnen löse ich mich und die Meinen.
Die Lemurien fielen in den Anfang des Monats Mai,
und ein Ueberbleibsel davon hat sich im Volksglauben
an die Blocksbergversammlung in der ersten Mainacht
erhalten.
Bei den Palilien oder dem Feste zu Ehren der Hirtengöttinn
Pales, das am Jahrestag der Stadt Rom begangen
wurde, reinigte und räucherte man mit Bohnenstroh (fabarum
stipula), zündete dann ein Feuer an und sprang
darüber; eine Sitte, von der wohl unser noch übliches
Johannisfeuer herrühren mag.
Der Göttinn Carna, die für das Wachsthum und die
Stärke der Eingeweide sorgte, und welcher Brutus einen
Tempel errichtete, opferte man Speck und Bohnenbrei,
als die kräftigsten Nahrungsmittel.
Diese Göttinn wacht auch über Schwellen und Thüren,
so wie über Gesundheit und Leben der Kinder, damit die
Hexen {Striges) ihnen nicht die genossene Milch aussaugen.
Im Monate Juni wurden eigene Feste, Fabariae genannt,
gefeiert, wo dann frische Bohnen den Göttern als
Opfer dargebracht wurden.
Am ersten März feierten die Matronen das Fest der
Matronalia, ein bloses Frauenfest, wobei jedoch Alles
auf die neue Zeit, auf des Jahres Anfang, hindeutete. Man
hing in den Tempeln frische Blumenkränze auf, auf dem
Altar der Vesta wurde das Feuer ausgelöscht und ein
neues angezündet. Dabei betete man zur Juno Lucina
um Fruchtbarkeit und Ehesegen. Männer erhielten Geschenke
von ihren Frauen, und damit jedes Glied der
Familie der festlichen Feier des Tages recht inne werde,
wurden Bohnen dargebracht und gegessen.
Die Besorgung der Spiele bei den Floralien waren
ansehnlichen obrigkeitlichen Personen in Rom, den Aedilen,
aufgetragen, welche jedoch diese Ehre theuer bezahlten,
indem sie dem Volke Bohnen austheilen mussten,
und also gewissermasen die wohlthätigen Götter repräsentirten,
denen zu Ehren die Spiele gefeiert wurden.
So häufig der Gebrauch der Bohnen bei den Römern
war, so werden sie doch an manchen Orten für unrein
gehalten, und ihren Genuss hatte Pythagoras seinen Anhängern
verboten. Ueber dieses Verbot ist schon ungemein
Vieles geschrieben und die seltsamsten Gründe dafür
angegeben worden, deren Erörterung aber nicht weiter
hierher gehört."
(J.H.Dierbach: Flora Mythologica, 1833)