Sassafras officinale (Sassafras albidum)
"In dem Arzneyvorrathe findet man von dem Sassafras officinale das Holz, die Rinde und
auch wohl die Blumen, Lignum, Cortex et Flores Sussafras. Das Bolz, welches von der Wurzel
genommen und Sassafras- oder Fenchelholz genannt wird, kommt in großen, knorrigen, ein
Viertel bis einen halben Fuß dicken, bisweilen zwey Fuß langen Stücken vor, und ist zum Theil noch
mit der Rinde bedeckt. Es ist röthlich - eichelbraun , bald heller bald dunkler, etwas schillernd,
von sehr lockrer Textur, und daher auch sehr leicht; es besitzt einen gewürzhaften, fenchelartigen
Geruch und einen eigenthümlioh - gewürzhaften Geschmack. Das Holz des Stammes ist blasser,
dichter schwerer, und dabey auch schwacher von Geruch. Die Rinde erhalten wir meist in
flachen eine bis anderthalb Linien dicken Stücken von unbestimmter Form. Im Innern ist sie
locker, von einem schwankenden Rothbraun; auf der äußern Seite ist sie höckrig, runzlig und
rissig mit einer schmutzig aschgrauen Oberhaut bedeckt; auf der innern Seite, wo sie eben erscheint
bemerkt man die zarten, gleichlaufenden Fasern in der Textur des Bastes und eine hellere
Farbe, die in das Rostbraune fällt. Sie bricht sehr leicht und ist im Bruche etwas uneben, jedoch
nicht fasrig. Geruch und Geschmack sind stärker als beym Holze, und letztrer ist sogar
beißend gewürzhaft und etwas kampherartig. Die Blumen sind nicht rein gesammelt, sondern
erscheinen mit den Hüllblättchen, den kaum aufgebrochnen Knospen der Blätter und den unreifen
Früchten in einem Gemisch von starkem, sassafrasartigem Geruche und Geschmacke. Aus dem Holze
erhält man von sechzehn Unzen, nach Hagen’s Erfahrung, durch die Destillation mit Wasser
zwey Drachmen ätherisches Öhl, Sassafrasöhl, Oleum ligni Sassafras. ...
Holz und Rinde sind vermöge des in ihnen enthaltenen älherischen Öhles gelinde reizend, erwärmend
und schweißtreibend, weshalb sie in wässerigen Infusionen beym chronischen Rheumatismus
bey syphilitischen und Hautkrankheiten gegeben werden. Das Sassafrasöhl wird so wie
andre erhitzende, stark reizende Öhle da in Anwendung gebracht, wo die Natur, um in Thätigkeit
gesetzt zu werden, eines solchen Reizes bedarf."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Zwölfter Band. 1833)