"Salbeiblätter und dreilappiger Salbei: Diese beiden Drogen finden Anwendung als Amarum-Aromatikum. Die Bitterstoffe gehören in die Gruppe der trizyklischen Diterpene. Im spanischen Salbei von Salvia officinalis ssp. lavandulifolia sind keine Bitterstoffe vorhanden, weshalb er nicht als pharmakopöenkonform gilt. Das ätherische Öl ist durch das Vorkommen von Eukalyptol, Thujon und Kampfer gekennzeichnet. Dementsprechend erinnern Salbei und Salbeipräparate durch ihre kampferartige Note an Eukalyptus- und Rosmarinöl. Der leicht adstringierende Geschmack der Droge und des Salbei-Infuses beruht auf dem Vorkommen von Labiatengerbstoff, worunter phenolische Verbindungen vom Typ der Rosmarinsäure zu verstehen sind.
Die Droge findet Anwendung bei Verdauungsstörungen, Blähungen und Durchfällen, vorzugsweise als Infus 1,0-1,5 g auf eine Tasse Aufguss; auch als Tinktur 1,0-1,5 g auf 1 Glas Wasser."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Salbei und Salbeiöle: Drei in Europa heimische Arten der Gattung Salvia sind interessant: 1) Salvia officinalis, und zwar die beiden Unterarten subsp. minor und subsp. major (nicht aber die Unterart lavandulifolia) liefern die Salbeiblätter der Arzneibücher und das daraus destillierte dalmatinische Salbeiöl; 2) Salvia triloba liefert den dreilappigen Salbei des DAB 9 sowie das griechische Salbeiöl; 3) Salvia lavandulifolia liefert das spanische Salbeiöl und kommt als Verfälschung des offizinellen Salbeis in Frage; die Art wird auch als bloße Unterart zu S. officinalis gezogen.
Salbeiblätter von Salvia officinalis haben einen würzigen, an Kampfer und Thujon erinnernden Geruch. Der Geruch der Blätter des dreilappigen oder griechischen Salbeis erinnert beim Zerreiben an Eukalyptusöl, der des spanischen Salbeis ähnelt stärker dem Kampfer. Alle drei Herkünfte weisen einen würzigen, schwach bitteren Geschmack auf.
Alle drei Salvia-Drogen enthalten ätherisches Öl mit allerdings sehr unterschiedlicher Zusammensetzung. Neben den Hauptbestandteilen Thujon, Kampfer und Eukalyptol werden, wie bei ätherischen Ölen üblich, eine große Zahl von Nebenstoffen gefunden. Der Handel unterscheidet der Herkunft entsprechend Salbeiöl Dalmatien, Salbeiöl Spanien, Salbeiöl Italien, usw. Die Öle werden zur Herstellung von Parfüms mit herber Gewürznote und von Mundwässern verwendet. Salbeiblätter werden zur Tinktur und zu sehr unterschiedlichen Extrakten (Fluidextrakt, Dickextrakt, Sprühtrockenextrakt) verarbeitet. Der Gehalt der Extrakte an ätherischem Öl entspricht in der Regel nicht dem rechnerischen Wert (bezogen auf die eingesetzte Droge). Tinkturen und Extrakte sind Bestandteil in einigen Fertigarzneimitteln vom Typus der Tinkturen zum Gurgeln (Tropfen); Fluidextrakte können in Gele eingearbeitet werden, die zum Einreiben auf entzündliche Stellen im Bereich von Zahnfleisch und Gaumen bestimmt sind. Die geschnittene Droge dient zur Herstellung des Salbeitees (Infus). Das Infus (2,5%ig) dient als Gurgelflüssigkeit und zur Mundspülung bei Entzündungen der Schleimhaut im Mund-Rachen-Bereich.
Unerwünschte Nebenwirkungen sind, nicht zuletzt auch durch die geringen Dosen an Öl, die in den phytotherapeutischen Mitteln enthalten sind, nicht zu befürchten. Vergiftungen durch das ätherische Öl und das darin enthaltene Thujon sind auf missbräuchliche Verwendung zurückzuführen."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)