"Echter Safran.
"Wächst im Orient.
Blühet im Herbste.
Von dem Crocus sativus werden bloß die Narben mit dem Griffel oder einem Theile desselben gesammelt, und unter dem Nahmen Safran, Crocus, oder orientalischer Safran, Crocus orientalis — weil ehedem bloß der aus dem Orient kommende als Axzneymittel angewendet wurde — aufbewahrt. Der im Handel vorkommende Safran wird theils mit den Krönchen der Blumen von Carthamus tinctorius und Calendula officinalis, theils mit den Kronenblättern der Blumen von Punica Granatum, ja sogar mit feinen Fasern von geräuchertem Fleische verfälscht; jedoch wird man alle diese Verfälschungen leicht entdecken können, wenn man mehrere einzelne Theile desselben in lauem Wasser einweicht, wo dann die drey Narben, welche noch durch den Griffel verbunden sind, in der Gestalt erscheinen. Die Narben selbst sind rotbgelb, oder, was gleich viel ist, safrangelb, der Griffel hingegen geht durch ein ziemlich reines Gelb ins Weiße über.
Man bauet den Safran in mehreren Ländern von Europa, und hält den österreichischen und den französischen von Gatinois für den besten, da er dem orientalischen sehr nahe oder gleich kommt. Dann folgt der englische und italienische. Der spanische aber, welcher , damit er sich halten soll, mit einem fetten Öhle befeuchtet ist, darf nicht als Arzneymittel angewendet werden.
Der Safran, in geringen Gaben, innerlich genommen, vermehrt die Thätigkeit des Blutgefäßsystems, und so auch die Wärme, und erzeugt Heiterkeit des Gemüths. Daher ist er auch schweiß- und harntreibend, befördert den Auswurf, und wird für ein vorzügliches, auf den Uterus wirkendes, die Menstruation beförderndes Mittel gehalten. In größern Gaben wirkt er betäubend. Seine Anwendung erfordert Vorsicht. — Äußerlich gebraucht man ihn als ein erweichendes Mittel."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Sechster Band. 1855.)