"[I.25. - Safran] - Crocus sativus (Iridaceae) - Safran
[Einige nennen ihn Kastor, Andere Kynomorphos, die Propheten Blut des Herakles.] Der bessere ist der korykische in Kilikien, von dem dortigen Korykos, dann kommt der lykische von dem Olymp dort, der dritte ist der von Aegis in Aegis. Der kyrenäische aber und der sicilische sind schwächer in der Wirkung, obwohl saftreicher und leicht zu zerquetschen, deshalb täuschen sie auch Viele. Zum medizinischen Gebrauch ist am besten der frische und der eine hübsche Farbe und wenig Weißes hat, der etwas länglich, ganz unverletzt, voll, beim Reiben wohlriechend ist, aber beim Befeuchten die Hände färbt, der nicht schimmlig und etwas bitter ist. Der nicht so beschaffene ist entweder unreif oder veraltet oder aufgeweicht. Er wird verfälscht durch untermischtes Krokomagma oder indem er nach dem Befeuchten mit eingekochtem Most, durch zerriebene Bleiglätte oder Molybdaina, um das Gewicht zu erhöhen, gemischt wird. Dieses wird aber dadurch erkannt, dass Staubartiges oder der Geruch von eingedecktem Most auftritt und dass er befeuchtet den reinen Wohlgeruch nicht von sich gibt.
Thessalos nun behauptet, er habe einen eigenartigen Wohlgeruch, Andere sagen, 3 Drachmen davon mit Wasser werden als ein tödliches Gift gegeben. In Wahrheit ist er harntreibend und etwas adstringirend, deshalb wirkt er mit Wasser als Salbe gegen Rose und gegen Augen- und Ohrenflüsse. Mit Milch wird er den Ohren- und Mundsalben zugefügt. Er wirkt auch gegen den Rausch. Die Wurzel der Pflanze, welche ihn liefert, mit süßem Traubenwein genommen treibt den Urin."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.26. - Krokomagma] - Safranteig - Rückstand aus Safran und feiner Myrrhe, die mit Öl ausgezogen wurde
Das Krokomagma stammt her von dem Safransalböl, indem die Gewürze ausgepresst und geformt worden. gut ist das, welches wohlriechend, etwas nach Myrrhe duftend, schwer, dunkel, nicht holzig ist, beim Auseinander- ziehen eine ziemliche Safranfarbe hat, fein, etwas bitter ist, Zähne und Zunge kräftig und viele Stunden anhaltend färbt; ein solches ist das aus Syrien. Es hat eine die Verdunkelungen auf der Pupille reinigende, harntreibende, erweichende, die Verdauung befördernde und erwärmende Kraft. Im Ganzen entspricht dieselbe der Kraft des Safrans, denn es besteht zum größten Teil daraus."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.64. - Die Bereitung des Safransalböls] - Crocus sativus (Iridaceae) - Safran
Zur Bereitung des Safranöls wirst du das Öl verdichten, wie es beim susischen Öle gesagt ist, nach demselben Mengen und Gewichtsverhältnis beim Mischen. Nimm von dem zum susischen Öl verdichteten Öle 3 ½ Pfund, gib 8 Drachmen Safran hinzu und rühre öfters im Tage um, und dieses tue fünf Tage hinter einander; am sechsten nun gieße das Öl vom Safran rein ab, auf den Safran selbst aber gib die gleiche Menge Öl und rühre drei Tage um. Darauf gieße es ab und mische 40 Drachmen gestoßene und gesiebte Myrrhe zu und rühre in einem Mörser tüchtig um, dann setze es weg. Einige verwenden die gleiche Menge des gewürzten Öls wie zum Hennaöl auch zum Safranöl. Das beste davon ist das reichlich nach Safran duftende, es eignet sich zum arzneilichen Gebrauche. Das zweite ist das nach Myrrhe riechende. Es hat erwärmende, schlafmachende Kraft, darum ist es, oft damit be- netzt, oder darauf gerochen, oder auch in die Nasenlöcher gestrichen, bei den an Phrenitis Leidenden angezeigt. Es ist auch eitermachend und die Wunden reinigend, hilft ferner gegen die Verhärtungen und Verstopfungen in der Gebärmutter und gegen die bösartigen Geschwüre in derselben mit Wachs, Safran, Mark und dem doppelten Öl, denn es macht gar (reift), erweicht, feuchtet und lindert; es wirkt gegen beginnenden Star, wenn es mit Wasser angewandt wird. Ihm entsprechend wirkt die sogen. Butter-, Onyx- und Styraxsalbe, welche sich nur durch die Namen unterscheiden, nach der Bereitung und Wirkung aber durchaus gleich sind."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)