"Bixa orellana
"In Amerika bereitet man aus den mit einem rothen Teige umgebenen Samen dieses Baumes
diejenige rothgelbe Farbe, welche man Orlean, Arnotta oder Roucou, Orleana s. Orellana
nennt, und die noch jetzt in den Apotheken vorkommt, ob sie gleich als Arzneymitiel schon lange
in Vergessenheit gekommen ist. Um diese Farbe, welche eigentlich ein Setzmehl ist, zu bereiten,
werden die Samen mit der teigigen sie umgebenden rothen Einhüllung, nachdem sie zerstampft
sind, mit Wasser übergossen, worin man sie so lange weichen lässt, bis dass sich die Farbe von
ihnen absondert, was man durch Reiben mit den Händen oder durch Umrühren mit einem
Spatel zu befördern sucht. Die Flüssigkeit, in welcher die Farbe sich schwebend erhält, wird
durch ein Sieb gegossen, und der in demselben bleibende Rückstand mit Wasser so lange der
Gährung ausgesetzt, bis dass alle Farbe von den Samen sich geschieden hat. Alle durch diese
Behandlung erhaltene, gefärbte Flüssigkeiten werden nochmals durch ein Sieb gegossen nnd so
lange in Ruhe gelassen, bis alle Farbe sich zu Boden gesetzt hat. Nachdem man nun die Flüssigkeit
von der niedergesunkenen Farbe abgegossen hat, wird diese über gelindem Feuer bis zur
Dicke eines festen Extracts abgeraucht, in Ballen gebracht und an der Luft, im Schatten, völlig
getrocknet.
Den Orlean erhalten wir in runden oder viereckigen Stücken. Er besteht nach John aus
Harz, Schleim und Extractivstoff. Alkohol und Äther lösen ihn fast ganz auf; Wasser hingegen
wird kaum etwas gelb davon gefärbt.
Die Samen der Bixa Orellana besitzen im frischen Zustande einen starken Veilchengeruch,
der auch zum öftern bey dem Orlean noch bemerkbar ist; auch hat er einen bitterlichen etwas
gewürzhaften Geschmack, und daher hat man ihn ehedem mit zu den magenstärkenden Mitteln
gerechnet, so wie man ihn auch bey Blutflüssen hat Wirkung Zutrauen wollen."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Neunter Band. 1825)