"Agar: Als Agar bezeichnet man die Gallerte, die man durch Auskochen verschiedener Rotalgen (Rhodophyta) erhält. In den Handel gelangt Agar möglichst befreit von Wasser und Salzen. Das erreicht man durch Ausfrieren und Trocknen. Als wichtigster Agar-Lieferant gilt Gelidium amansii, eine zarte, fiedrig verzweigte, bis 25 m lange Pflanze, die - an Felsen fest verwachsen - in Tiefen bis zu 30 m gedeiht. Agar ist Bestandteil der Zellwände (Mittellamelle), er löst sich in heißem Wasser, jedoch nicht in kaltem. Daher erstarrt eine heiße Lösung beim Abkühlen zu einem steifen Gel. Das Verfahren der Agarbereitung ist - im Gegensatz zu Japan und Korea - in Europa und Amerika weitgehend mechanisiert. Entfärbt und gereinigt wird der Auszug durch Kohle und durch Filtrieren in Filterpressen. Die Gallerte wird künstlich zum Einfrieren gebracht. Die heute auf dem Weltmarkt befindlichen Sorten sind sehr unterschiedlich.
Handelsagar ist keine einheitliche Verbindung. Neben Wasser, Asche, N-haltigen Stoffen, Spuren von FEtt und Rohfasern macht die Kohlenhydratfraktion den überwiegenden Anteil von über 90% des getrockneten Produkts aus. Die Fraktion enthält mindestens zwei Bestandteile: Agarose und Agaropektin. Eine 1,5%ige Agar-Lösung geliert im Bereich von 32-39°C, die aber erst im Bereich von 60-97°C wieder aufschmilzt. Die große Differenz zwischen Gelier- und Schmelztemperatur ist eine bemerkenswerte und einzigartige Eigenschaft von Agar.
Für die Verwendung in Medizin und Pharmazie ist maßgeblich, dass Agar praktisch unverdaulich ist, wärmeresistente Gele bildet sowie emulgierende und stabilisierende Eigenschaften aufweist.
Anwendung: Agar quillt im Darm auf, macht den Darminhalt voluminös und schlüpfrig, ist daher ein mildes Laxans. In der Galenik dient Agar zur Herstellung fettfreier Salbengrundlagen, von Suppositorien, Vaginalkugeln und Emulsionen. In der Bakteriologie spielen Agar-Nährböden ein egroße Rolle. Agar, wie auch Carrageen (Irländisches Moos) hemmt die Entwicklung von Viren. Man führt diese Eigenschaft auf den Galaktananteil ihrer Polysaccharide zurück."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)