"[I.130. - Rosen] - Rosa centifolia (Rosaceae) - Rothe Centifolie, Rosa gallica (Rosaceae) - Zuckerrose
Die Rosen [Rosa der Römer] kühlen und adstringiren, die trockenen sind mehr adstringirend. Zu Saft muss man sie im weichen (frischen) Zustande verarbeiten, nachdem man den sogen. Nagel mit einer Schere abgeschnitten hat, es ist dies das weiße Stückchen am Blatte, das Übrige aber auspressen und (den Saft) im Mörser im Schatten reiben, bis sich eine dichte Masse gebildet hat. So wird es dann bei Seite gesetzt zum Einsalben der Augen. Auch werden die Blätter im Schatten unter fleißigem Umwenden getrocknet, damit sie nicht schimmelig werden. Die Colatur der trockenen, in Wein gekochten Blätter tut gut bei Kopfschmerzen, bei Augen-, Ohren-, Zahnfleisch-, After- [d.h. Mastdarm] und Mutterschmerzen, wenn sie mit einer Feder eingepinselt oder wenn damit gespült wird. Dieselben (die Blätter), ohne Auspressen zerstoßen und umgeschlagen, helfen gegen Unterleibsentzündungen, Magenfäule und roseartige Hautentzündungen; trocken aber und fein gerieben werden sie auf die innere Seite der Hüften gestreut, auch werden sie den kräftigend und wundenheilenden Gegenmitteln zugesetzt. Sie werden auch gebrannt zu Mitteln, um die Augen zu verschönern. Die mitten in den Rosen befindliche Blüte wird bei Fluss des Zahnfleisches aufgestreut, die Köpfe getrunken halten den Bauchfluss und das Blutspeien auf. [Die goldgelben und einblätterigen Rosen sind zu Allem unbrauchbar. Es gibt auch niedrige, kleinere, einfache, wilde, weiche zu Vielem besser geeignet sind als die gebauten.]"
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[I.53. - Die Bereitung des Rosenöls] - Rosa centifolia (Rosaceae)
Das Rosenöl wird so gemacht: 5 Pfund und 8 Unzen zerschnittenes und mit Wasser zerstampftes Bartgras koche unter Umrühren mit 20 Pfund und 5 Unzen Öl. Dann, nachdem du es durchgesiebt hast, wirf in die 20 Pfund und 6 Unzen Öl die Blätter von 1000 trockenen Rosen [oder 1 Pfund Cyperngras, 1 Pfund Alant, 1 Pfund Kalmus, 6 Xestes Öl, 1 ½ Xestes Rosen], und nachdem du die Hände mit wohlriechendem Honig bestrichen hast, rühre es unter öfterem Drücken einen Tag lang; nachdem du es dann die Nacht über hast stehen lassen, presse es aus. Wenn sich aber das Hefenartige abgesetzt hat, wechsle das Aufnahmegefäß und gib es in einen mit Honig aus- gestrichenen Mischkrug. Die ausgepressten Rosen wirf in ein Fass und gieße 8 Pfund und 3 Unzen verdichtetes Öl dazu und presse es wieder aus. Dieses wird dir die zweite Sorte Öl sein, und wenn du willst, gieße bis zum dritten und vierten Male Menstruum auf und presse aus. Es entsteht so eine erste, zweite, dritte und vierte Sorte Öl. So oft da dies aber tust, streiche die Krüge vorher mit Honig aus. Wenn du aber eine zweite Auflage herstellen willst, so wirf in das zuerst aus- gepresste Öl die gleiche Zahl frischer trockener Rosen und rühre mit den Händen, die vorher mit Honig bestrichen sind, um, und presse aus, und dies tue zum zweiten, dritten und vierten Male in der gleichen Weise auspressend. So oft du dieses aber tust, wirf frische Rosen dazu, sie mit den Nägeln zerpflückend; denn es wird kräftiger. Bis zu einem siebten Auszuge lässt das Öl den Zusatz von Rosen zu, dann aber nicht mehr. Auch die Presse werde mit Honig ausgestrichen. Sorgfältig muss das Öl von dem (wässerigen) Safte getrennt werden, denn wenn das Geringste davon zurückbleibt, verdirbt das Öl. Einige pressen die Rosen für sich allein und behandeln sie dann an der Sonne mit dem Öl, und zwar 6 Unzen mit 1 Xestes Öl, indem sie es acht Tage hindurch umrühren und vierzig Tage bis zum dritten Auszuge an der Sonne stehen lassen. So bewahren sie es auf. Einige verdichten ferner das Öl unter Zusatz von Kalmus und Aspalathos, Andere geben Auchusa zu wegen der hübschen Farbe und Salz, um die Verderbnis zu verhindern. Es hat aber adstringirende, kühlende Kraft, ist sehr geeignet zu Besprengungen und zu Mischungen weicher Salben. Getrunken öffnet es den Leib und mildert die Hitze des Magens, ist ein Nährmittel für hohle Geschwüre und besänftigt die bösartigen, es ist ein Mittel gegen Schorf und Ausschlag, dient im Anfang als Umschlag gegen Kopfschmerzen, als Spülung gegen Zahnschmerzen. Eingestrichen wirkt es gegen Verhärtungen der Augenlider und ist als Klysiter mit Erfolg zu gebrauchen gegen Reize der Eingeweide und der Gebärmutter."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[I.131. - Rosenpastillen]
Die sogen. Rosenpastillen werden auf folgende Weise bereitet: Frische, trockene, welk gewordene Rosen 40 Drachmen, indische Narde 10 Drach- men, Myrrhe 6 Drachmen werden fein gestoßen und zu Pastillen von 3 Obolen Gewicht geformt, im Schatten getrocknet und in ein irdenes, ungepichtes, allseits gut verschlossenes Gefäß zur Aufbewahrung gegeben. Einige setzen auch 2 Drachmen Kostos zu und ebensoviel illyrische Schwertlilie, indem sie noch Wein von Chios mit Honig zumischen. Ihr Gebrauch findet statt bei Frauen, welche sie als Halskette umlegen, um den üblen Schweißgeruch zu verdecken. Man gebraucht sie auch fein zerrieben zu Streupulver und zum Einsalben nach dem Bade, wenn sie dann trocken geworden sind, werden sie kalt abgewaschen."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[V.35. - Rosenwein]
Der Rosenwein wird so gemacht: Binde 1 Mine trockener zerkleinerter Rosen in ein Leintuch und hänge dieses in 8 Xestes Most. Nach drei Monaten seihe durch, fülle den Wein um und stelle ihn bei Seite. Bei Abwesenheit von Fieber ist er zur Verdauung und gegen Magenschmerzen dienlich, wenn er nach dem Essen getrunken wird, ferner gegen Bauchfluss und Dysenterie. Er wird auch aus Rosensaft unter Zusatz von Honig bereitet, dann heisst er Rosenhonig; er ist ein gutes Mittel gegen Rauheit der Luftröhre."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)