"Anthemis nobilis (Chamaemelum nobile)
"Von der Anthemis nobilis sind die Blumen unter dem Namen der römischen Kamillen, Flores Chamomillae romanae s. Chamaemeli nobilis, in den Arzneyvorrath aufgenommen. Gewöhnlich findet man die sogenannten gefüllten Blumen, bey welchen die Blümchen des Strahls sich vermehrt, die der Scheibe dagegen, wenn sie nicht gänzlich verschwunden sind, sich doch sehr beträchtlich vermindert haben. ... Wenn man erwägt, dass der vorherrschende Grundtheil dieser Blumen im ätherischen Öhle liegt, und dass die Pflanze ihrer Natur gemäß nur auf trocknem Boden vorkommt: so lässt sich wohl nicht zweifeln, dass sie, in Gärten, in einem fettem Boden gebauet, wo sie denn auch gefüllt erscheint, gewiss auch weniger öhlreich und folglich auch weniger wirksam seyn muss.
Schon im allgemeinen lehrt die Erfahrung, dafs Gewächse, welche ätherisches Öhl enthalten, in fettem oder feuchtem Boden gezogen, weniger reich an diesem Öhle sind, als wenn sie auf einem dürren Boden hervorwachsen ; hier kommt nun aber noch besonders in Betracht, dass bey der gewöhnlich vorgehenden Umwandlung der Blumen die zwitterlichen Blümchen der Scheibe verloren gehen, und mit ihnen zugleich auch die Befruchtung und die sonst — wie bey allen zusammengesetzten Blumen schon während des Blühens — sehr schnell darauf erfolgende, oder doch anfangende , Ausbildung der Samen, oder vielmehr der kleinen Früchte, in denen eigentlich das ätherische Öhl sich findet. Sehr richtig bemerkt daher auch Murray, dass in der Scheibe die vorzüglichste Kraft enthalten sey.
Die Blumen der römischen Kamille sind von durchdringendem, angenehm, gewürzhaftem Gerüche und von sehr bitterm und gewürzhaftem Geschmacke. Man hält diese Blumen gewöhnlich für gleichwirkend mit denen der gemeinen Kamille, Matricaria Chamomilla, aber Geruch und Geschmack, die Verschiedenheit des ätherischen Öhles bey beiden, so wie die Gegenwart des Kamphers bey der einen und die Abwesenheit desselben bey der andern, widersprechen dieser Meinung."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Zehnter Band. 1827)