"Rhabarberwurzel: Die Droge besteht aus den getrockneten unterirdischen Teilen von Rheum palmatum oder R. officinale, oder aus Hybriden der beiden Arten oder deren Mischung. Der echte chinesische Rhabarber wird von Wildpflanzen, die etwa sechs Jahre alt sind, zur Blütezeit gesammelt, im frischen Zustand geschält, in Stücke geschnitten und getrocknet.
Medizinalrhabarber wird ausgiebig in der Lebensmittelindustrie verwendet. Es hat sich daher ein kompliziertes System der Qualitätsbewertung herausgebildet, wobei Aussehen, Geruchsnote und Geschmack eine große Rolle spielen. Die aus Kulturen stammende Droge wird von jungen Pflanzen gewonnen, da eine 6- bis 7-jährige Kultur nicht rentabel wäre. Europäischer Rhabarber besteht daher aus jüngeren Rhizomstücken mit hohen Anteilen an Wurzeln.
Die Droge weist einen charakteristischen Geruch auf, der Geschmack ist aromatisch und - je nach Sorte - schwach oder stark bitter, zugleich zusammenziehend oder schleimig. Beim Kauen bemerkt man ein Knirschen zwischen den Zähnen, herrührend von großen Calciumoxalatkristallen; der Speichel färbt sich gelb.
Rhabarberwurzel enthält sowohl laxierend als auch adstringierend wirkende Prinzipien. Sie wird mit anderen Anthranoiddrogen als Laxans verwendet, zusammen mit anderen Amara-Aromatica als Stomachicum bei dyspeptischen Beschwerden. Kombinationspräparate mit Rhabarberwurzel (Magenpulver, Magentabletten, Kräutertropfen u.a.m.) werden in allen bekannten Arzneiformen angeboten: Als Pulver, als Teemischung, als Tropfen, in Tabletten- und in Drageeform."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)