Raphanus sativus
"Diese Art der Gattung Raphanus ändert in Rücksicht der Wurzel , oder vielmehr des Wurzelstockes, sehr ab. Man unterscheidet zwar nur zwey Hauptsorten , nämlich die kleinern Radieschen oder Rettichen und die größern Rettige, aber beide kommen weder nach Verschiedenheit der Gestalt und Farbe, so wie auch nach der Zeit des Aussäe,s, sehr verschieden vor. So unterscheidet man nnter den erstern, ohne hier der Verschiedenheiten nach der Gestalt und Farbe zu erwähnen, Monats-, Sommer-, Forellen- und holländische Radieschen; und unter den letztem Sommer-, Herbst- und Winterrettige, so wie auch weiße spanische und schwarze Erfurter Rettige. Ob der Raphanus sativus s. oleiferus nicht eine eigene Art seyn mag, verdient eine genauere Untersuchung. Dasselbe gilt auch von dem sogenannten corinthischen Rettig, der über die Erde hervortritt.
Zum Arzneygebrauch hat man den schwarzen Rettig, oder Rüberettig, Raphanus sativus s. niger, angewendet. Die Wurzel dieser Varietät, Radix Raphani nigri s. hortensis , ist an Größe sehr verschieden; oft ist sie kleiner als hier die Abbildung zeigt, nicht selten aber kommt sie so groß vor, dass ihr Gewicht sechs bis zehn Pfund beträgt. Sie ist von flüchtigem, scharfem, etwas kressenartigem Geruche und äußerst scharfem Geschmacke ; und ihr vorwaltender Bestand theilliegt, so wie bey allen kreuzblumigen Gewächsen, in einem ätherischen, sehr flüchtigen, scharfen Öhle. Der Saft derselben mit Baumöhl, Zucker oder Honig gemischt, soll bey Steinbeschwerden Linderung verschafft haben, so wie die beiden letztern Mischungen gegen Brustbeschwerden, als Heiserkeit, Engbrüstigkeit u. drgl. angewendet worden sind. Auch hielt man zur Anwendung davon ein destillirtes Wasser und einen Syrup, Auci et Syrupus Raphani nigri, so wie auch der Same, Semen Raphani nigri, als harntreibend gegeben wurde. Außer dem ätherischen, scharfen Öhle enthalten sie noch viel fettes Öhl, und können darauf benutzt werden. — Die Benutzung der verschiedenen Rettige und Radieschen als Speise ist bekannt genug."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Elfter Band. 1830)