"[II.137. - Rettig] - Raphanus radicula, radiola, sativus (Cruciferae)
Der Rettig [Einige nennen ihn Polyeidos Eryngiou, die Römer Radix nostras, die Afrikaner Thorpath]; auch dieser erzeugt Blähungen und erwärmt. Er schmeckt gut, ist dem Magen aber nicht bekömmlich; er bewirkt Aufstoßen und treibt den Urin. Er bekömmt auch dem Bauche, wenn man ihn dazu (d.h. nach der Mahlzeit) nimmt, indem er die Verteilung der Nahrungssäfte befördert; wird er vorher genossen, so hebt er die Speisen in die Höhe. Vorher genossen ist er auch bei denen angebracht, die erbrechen wollen. Er schärft aber auch die Sinne. Gekocht genossen ist er denen zuträglich, welche an chronischem Husten leiden und bei denen sich Verdichtungen in der Brust gebildet haben. Seine Rinde mit Sauerhonig genommen wirkt kräftiger brechenerregend, ist aber den Wassersüchtigen wohltuend. Als Umschlag ist sie auch bei Milzkranken angebracht. Mit Honig bringt sie fressende Geschwüre zum Stillstand und entfernt Sugillationen unter den Augen. Sie hilft den von giftigen Tieren Gebissenen und erzeugt nach der Fuchskrankheit dichtes Haar. Mit Taumellolchmehl entfernt sie Leberflecken. Gegessen oder getrunken hilft sie bei denen, die durch Essen oder Trinken von (giftigen) Pilzen Erstickungsanfälle bekommen, befördert auch die Menstruation. Sein Same erregt Brechen, treibt den Harn und reinigt die Milz, wenn er mit Essig genommen wird. Bei Entzündung der Schlundmuskeln (Angina) hilft er gekocht als Gurgelmittel mit warmem Sauerhonig, ebenso erweist er sich mit Wein getrunken heilsam gegen den Biss der Hornschlange. Mit Essig aufgelegt endlich reißt er Gangrän kräftig rund herum auf."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[II.138. - Wilder Rettig] - Raphanus radicula, radiola, sativus (Cruciferae)
Der wilde Rettig, welchen die Römer Armoracia nennen, hat ähnliche Blätter wie der gebaute, mehr doch wie der graue Senf, die Wurzel ist trocken, lang, etwas scharf. Sowohl die Blätter als auch die Wurzel werden als Gehäuse gekocht. Er ist erwärmend, urititreibend und hitzig."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[I.45. - Rettigöl]
Das Rettigöl wird aus den Samen desselben (des Rettigs) bereitet wie die
übrigen. Es ist ein gutes Mittel für die, welche nach Siechthum an Läusekrankheit leiden, auch glättet es die Rauheiten im Gesicht. In Ägypten
gebrauchen sie es aber, um es mit dem Zugemüse zu kochen."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)