"Retich. [A. A. Radix.] (Raphanus sativus.) Der
Rettig ist mehr warm als kalt; wenn er aus der Erde genommen
ist, so werde er vor dem Gebraucbe zwei oder drei Tage in feuchten
Boden eingegraben, wodurch seine Kraft (viriditas) etwas gemildert
wird. Er reinigt das Gehirn und mindert die schädlichen Säfte der
Eingeweide. Fetten Leuten bekommt er gut, schwachen und mageren
nicht. Wenn ein Kranker ihn geniessen will, so soll er den
Rettig auf einem heissen Steine trocknen, ihn pulvern, Salz und
Fenchelsamen dazu geben und dann mit Brod verspeisen, dann
reinigt und kräftigt er. Wer stark verschleimt ist, koche Wein mit
Honig, gebe Rettigpulver hinzu und trinke das nüchtern und nach
der Mahlzeit."
(Hildegard von Bingen: Physica (Liber simplicis medicinae), 1150 - 1160)