"Rueben werden vo den Griechen geheyssen Gongyle oder Gongylides / von den Lateinischen aber Rapa. Ursachen sölcher namen haben wir im Latein gnugsam angezeygt.
Der Rüben seind zweyerley geschlecht / zam und wild. Der zamen Rüben seind auch zweyerley geschlecht / weiß unnd rot. Das wild geschlecht der Rüben ist das so man Rapuntzeln nennet / das ist / kleine Rüblin.
Die zamen Rüben seind am stengel unn blettern dem Rettich seer gleich / doch die Rüben bletter seind zarter und grüner / steigen auch ein wenig übersich / und ligen nit stäts auff der erden außgebreyt. So sie aber anfangen zu blüen / seind sie mit den geelen blumen / schotten / und samen / aller ding dem Köl gleich. Die Rapuntzeln thun sich im früling zeitlich herfür / aller ding anzusehen wie des Maßlieben kraut / auff dem erdtrich außgebreyt. Gegen dem Brachmonat gewinnen sie einen runden / holtzechten stengel / ettlich zweyer elen hoch / mit vilen kleinen neben angehenckten zweiglin / durchauß mit kleinen schwartzgrünen schmalen / doch fingers breyten bletlin besetzt / die bringen jhre schellechte gestirnte blumen / von farben etwas purpurblaw. Wann die außfallen folgen die grüne verschlossene köpfflin oder hülsensecklin hernach / ein yedes anzusehe wie an dem schwartzen Kommich oder Coriander / aber kleiner / und ein yedes mit fünff spitzlin / darinn ist der klein samen verschlossen. Die wurtzel ist gewonlich fingers dick.
Die zamen Rüben wachsen fast an allen orten unsers Teütschen lands / unn werden vom samen in feüchten äckern gepflantzt. Die Rapuntzeln oder wilde Rüben wachsen hin und wider neben den zeünen / und auff den äckern.
Die zamen Rüben blüen im summer / und gewinnen dann auch jhre schäflin. Die Rapuntzeln aber im früling / ehe sie in die stengel schiessen / unn seind leichtlich zukennen. Man braucht sie zu derselbigen zeit seer für einen salat / mit blettern unnd wurtzel außgezogen. Im Brachmonat bringen sie jhre blumen / und folgends auch den samen.
Die Rüben seind warm im andern grad / und feücht im ersten.
Die zamen Rüben gesotten seind undewig / bläen / unnd bringen begird zur unkeüscheyt. So man die Rüben siedet / unnd ein tüchlin in dem Rübenwasser netzt und überschlecht / bekommen sie wol denen so das kalt Podagra haben / und auch denen so die füß im winter erfroren seind. Man mag auch die gesotten Rüben zerstossen unnd überschlagen / dann sie haben gleiche krafft zu lindern den schmertzen des Podagra. Die jungen dolden so die Rüben stossen gesotten / treiben den harn. Rüben samen ist gut wider allerley gifft / unnd würdt demnach nit unbillich zum Tiriack genomme. Er ist auch nützlich zu linderung der schmertzen. Bringt lust zur unkeüscheyt. So man die roten Rüben jnmacht / bringen sie lust unn begird zu essen. Deßgleichen so die Rapuntzeln in der speiß gebraucht werden mit saltz und essig als ein salat zubereyt / bringen sie auch lust zu essen / treiben den harn. Eüsserlich gebraucht / fürnemlich wann sie mit Feigbonen / Weytzen / oder Radten meel vermischt werden / seubern sie das angesicht / unnd den gantzen leib. Der safft zur zeit der ernd gesamlet / mit frawen milch vermengt / macht lautere augen. "
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)

"Köl ist auff Griechisch Crambe genent / zu Latein Brassica sativa. Die Apotecker nennens Caulem. Ursachen aber sölcher namen haben wir im Lateinischen kreüterbuch angezeygt.
Des Köls findt man fünfferley geschlecht / fürnemlich deren so am breüchlichsten seind / groß / breyt / krauß / khlein / unnd Cappeßkraut genent. Der groß würt also geheyssen von wegen seiner grossen blettern. Der breyt ist also genent / von wegen seiner bletter / die ettwas grösser unnd breyter seind dann des kleinen. Der krauß hat auch seinen namen von seinen blettern / die seer krauß seind. Der klein würdt also genent von wegen seines stengels / und seiner bletter / die do zärter und kleiner seind / dann der andern Kölen. Das Cappeßkraut hat seinen namen von dem Latein / dann es würt Caulis capitulatus genent / darumb das sich die bletter zusamen thun unnd schliessen allwegen eins über das ander / unnd ein gestalt eines haupts machen / daher mans auch Heuptlin nent. Ist seer breüchlich in unsern landen / fürnemlich im Beyerland / do es überflüssig gepflantzt würt in gärten.
Das erst geschlecht / nemlich der groß Köl / bringt einen braunen dicken stengel. Seine bletter seind breyt / blawfarb / grösser dann des Cappes. Gewindt kein haupt / sonder bleiben allzeit täschen. Blüet im andern jar. Seine blumen aber seind geel / und so dieselbigen abfallen / gewindt er schäflin / darinn ist sein same. Das ander / breyter Köl genent / ist mit stengel / blumen / und samen dem vorigen gleich / die bletter aber seind zerschnitten unn ringßumbher zerkerfft / wie an dem kleinen / am undern teyl gegen dem stengel / mit groben / oben auff aber mit kleinern kerflin zerschnitten. Die wurtzel ist zasecht / unn hangt neben daran ein knöpfflin aller gestalt wie ein runds beerlin. Das dritt geschlecht krauser Köl geheyssen / ist mit stengel / blumen und samen den vorigen gleich / aber seine bletter seind zinnelecht / zu ringßumbher zerschnitten und krauß / wie ein Kalbßkröß. Die wurtzel ist dem breyte Köl gleich / hat aber kein knöpfflin. Das vierdt / nemlich kleiner Köl / ist auch mit wurtzel / stengel unnd samen den andern / fürnemlich dem breyten gleich / aber seine bletter seind zärter unn kleiner. Das Cappeßkraut ist mit den blettern dem grossen Köl gantz gleich / dann sie seind runtzelecht / groß / und schleüßt sich allwegen eins über das ander / wie vormals gemellt ist / werden zu letzst zu einem haupt. Die Kölkreüter pflantzt man hin und wider fast in allen gärten / wachsen aber gern in kalten und feüchten orten / mögen sonst nit wol auffkommen.
Die Kölkreüter blüen gemeinlich im Augstmonat / unn bringen darnach jren samen.
Die Köl seind warm und trucken im ersten grad.
Der Köl ist gut zu erweychen den bauch / so er ein wenig gesotten würt. Wann er aber volkommenlich gesotten würt / so stelt er und erhertet den bauch / und das fürnemlich wann er zwey mal gesotten ist. Der im summer wechßt / schadet dem magen / und ist etwas scherpffer. Köl gesotten und gessen / ist nützlich denen so ein blöd gesicht haben / unnd zittern. So man Köl nach dem essen braucht / so nimpt er hinweg den schaden und nachteyl so auß überiger fülle / unn vom übermässigen weintrincken kompt. Die öbersten und zarten gipfflin von dem Köl / seind dem magen nützlich / seind aber etwas scherpffer / und zu treiben den harn krefftiger. Der safft vom Köl mit wein vermischt unn getruncken / ist nützlich denen so von natern gebissen seind. Mit meel und Foenograeco vermischt / unnd übergelegt / bekompt er wol denen so das Podagram und weetagen der glider haben / auch den alten unreynen schäden. Der safft in die nasen gethon / reynigt das haupt. Er bringt den frawen jre kranckheyt / mit Radten meel vermischt / ein zäpfflin darauß gmacht / unn in die muter gethon. Die bletter allein / oder mit gersten maltz zerstossen und übergelegt / seind gut zu allerley geschwulsten. Die bletter auff das haupt gelegt / behalten das har so anfahet außfallen. Die Kölbletter gesotten und mit hönig vermischt / heylen allerley umbfressende schäden. Row gessen auß essig / seind sie nützlich den miltzsüchtige. So sie einer im mund kewet / und den safft hinab schluckt / bringen sie die verlorne stimm wider. Köl gesotten und getruncken / lindert den stulgang / und bringt den frawen jre kranckheyt. Der same vertreibt die roßmucken unnd flecken under dem angesicht. Mit meth jngenommen / tödtet er die würm im bauch. Köl gesotten / unn in demselbigen wasser ein tüchlin genetzt und übergeschlagen / ist den spannadern oder nerven / und den gleychen seer bequemlich. Gedacht wasser heylet allerley wunden / so mans darauff legt / oder darmit wäscht. Der safft mit wein vermischt / unnd law in die ohren gethon / bringt das gehör widerumb. Köl ist dem wein unnd Weinreben widerwertig / darumb sie bey einander nit wol sein mögen. Man findt das ettlich von dem Podagra gesundt seind worden / die Köl gessen / und das wasser darinn Köl gesotten ist / getruncken haben. Köl mit alltem schmaltz vermischt / und übergelegt / ist seer gut zu dem weetagen der hüfft. Köl zerstossen und den safft darvon übergestrichen / vertreibt unnd verzert das undergerunnen blut / und andere blawe mäler. "
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)