"Quittensamen: Die reifen, getrockneten Samen der Früchte von Cydonia oblonga, die in zwei gestaltlich unterschiedlichen Varietäten, der Apfelquitte (var. maliformis) und der Birnenquitte (var. pyriformis) kultiviert wird. Die Samen der Scheinfrucht sind vielfach miteinander verklebt, sowie zu 8-16 in den Fächern der Früchte zu Reihen angeordnet. Die rotbraunen bis braunvioletten, abgeplatteten Quittenkerne erscheinen durch den eingetrockneten Schleim außen wie mit Reif beschlagen. Der Quellungsfaktor soll mindestens 12 betragen.
In der Epidermis von Semen Cydoniae ist bis zu 22% Schleim lokalisiert, der vorwiegend wasserlöslich, zum nur kleineren Teil quellend ist. Er ist aus Arabinose und Xylose mit Uronsäure aufgebaut. Da der Samen nur unzerkleinert als Schleimdroge verwendet werden soll, kommt dem im Embryo lokalisierten fetten Öl und dem Amygdalin keine Bedeutung zu.
In der unreifen Quitte ist ein sehr gelierfähiges Pektin enthalten. Es lässt sich aus unzerquetschten Samen mit warmem Wasser extrahieren und zu einem Produkt verarbeiten, das mit Wasser eine viskose Lösung bildet und mit verdünnter Kochsalzlösung zu einem Gelee aufquillt.
Als Gel oder in Salbenform findet der Quittenschleim äußerlich Verwendung bei Lippen- und Brustwarzenrhagaden, bei Dekubitus, sowie - in der Kosmetik - zu Handgelees und für Haarfixative.
Innerlich wirkt Quittenschleim bei Magen-Darm-Störungen reizmildernd und antidiarrhöisch: 1 TL voll ganze Samen mit 1 Tasse lauwarmem Wasser mehrere Stunden quellen lassen und den Schleim von den Samen abkolieren. Gequollene ganze Quittensamen können auch als mildes Abführmittel verwendet werden."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)