"Quendelkraut: Thymus serpyllum ist eine Sammelart, die von den Botanikern in unterschiedlicher Weise in Arten, Unterarten, Varietäten und Formen aufgeteilt wird. Da spezifische Wirkstoffe nicht bekannt sind, deren Auftreten und Quantität ein objektives Auswahlkriterium darstellen würde, verbleibt als Ausweg, die Drogen zu verwenden, die der "Verbrauchererwartung" entsprechen, d.h. bestimmte sensorische Eigenschaften aufweisen, an die man sich gewöhnt hat. Es handelt sich dabei um Sorten, welche in ihren sensorischen Qualitäten - der phenolisch-medizinischen Geruchsnote - an den Gartenthymian erinnern. Quendel, der wie Zitrone riecht, z.B. Thymus pulegioides chemovar. Citral, entspricht sicher nicht der Verbrauchererwartung. Daher ist die Forderung der Pharm. Helv. sehr sinnvoll, nur Quendelsorten für arzneiliche Zwecke zuzulassen, die ätherisches Öl führen, das Thymol und Carvacrol enthält und das zugleich citralarm ist. Da Kräutersammler keine geschulten Botaniker sind, sollte man nur eine aus Kulturen stammende Droge beziehen.
Morphologisch besteht die Droge aus den zur Blütezeit geernteten und getrockneten Zweigen der Pflanze. Der Geruch ist stark würzig mit phenolischer Geruchsnote; der Geschmack ist würzig-aromatisch, etwas bitter. Das Thymus pulegioides Öl (0,1-0,6%) enthält als Hauptkomponenten: Geraniol (3-10%), Linalool (22-45%), Cineol (1-7%), Borneol (0,1-15%), Bornylacetat (0,4-5%), Thymol (1-4%) und Carvacrol (5-33%). Das Öl findet Verwendung zur Herstellung von Fluidextrakten und von hydroalkoholischen und wässrigen Trockenextrakten. Diese Extrakte sind Bestandteil von Kombinationspräparaten (Hustentropfen, Hustensäften). Die Droge dient auch zur Herstellung von Quendelöl, das in der kosmetischen Industrie verwendet wird.
Alkoholische Auszüge schmecken aromatisch und leicht bitter. Sie können daher appetitanregend wirken. Auch als Geruchs- und Geschmackskorrigens für Hustentropfen und Hustensäfte ist Quendelkraut brauchbar. Die Droge soll expektorierend wirken. Allerdings lässt die peroral mit den Liquidaformen zugeführte Dosis an ätherischem Öl eine Expektoranswirkung wenig wahrscheinlich erscheinen."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)