"Pharmakologische und toxikologische Eigenschaften: Phenole kommen in den Nahrungs- und Genussmitteln pflanzlicher Herkunft fast überall und oft in beachtlichen Konzentraionen vor. Für die Mehrzahl von ihnen gilt, dass es sich um pharmakologisch und toxikologisch weitgehend inerte Substanzen handelt. Ausnahmen bilden folgende Gruppen: - lipophile Phenole, die nicht hinreichend rasch engiftet werden können (z.B. Uroshenol, Gossypol); - Phenole mit hohem Redoxpotential, sie sehr reaktionsfähig sein können (z.B. Phenole mit Hydrochinon und Anthronstruktur); - Reaktionsfähige Phenole dann, wenn sie in hohen Dosen in die Blutbahn gelangen (z.B. Missbrauch von Tocopherolen, Gerbstoffe in der Wundbehandlung).
Über die Resorptionsquoten von Phenolen lassen sich kaum generalisierende Aussagen machen, da sie stark von der jeweiligen Konstitution des Moleküls abhängen. Die stark polaren Verbindungen werden wohl kaum resorbiert. Sie gelangen in die unteren Darmabschnitte und werden dort von Mikroorganismen verändert. Eine auffallende mikrobielle Reaktion stellt die Enthydroxylierung dar."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)