"Der Pflaumenbaum würt von den Griechischen Coccimelea / zu Latein Prunus genent / sein frucht Pflaumen oder Prumen.
Der Pflaumen seind zweyerley geschlecht / zam unnd wild. Die zamen haben mancherley farb / dann man findt derselbigen braun / geel / schwartz / unnd weißlecht grün. Die wilden werden Schlehen geheyssen / auff Griechisch Agriococcimela / und Prumna / zu Latein Pruneola und Prunula.
Der Pflaumenbaum hat wurtzel die ston nit tieff / sonder kriechen oben hin im erdtrich. Sein stamme ist auffrecht unn schlecht / rauch / mit vilen außgebreyten ästen. Die bletter seind langlecht in die ründe formiert / unnd mit kleinen krinnlin zerkerfft. Die blumen seind weiß / garnach wie an den Kirßen. Die frucht ist wie ein kleins öpffelin / schwartz / braun / geel / oder weißlecht grün / hat inwendig ein herten stein / darinn ist der kern.
Die zamen Pflaumen wachsen in gärten. Damascena zu Damasco. Die Schlehen fast in allen hecken.
Blüen im früling / in sonderheyt die Schlehen / die under allen stauden fast die ersten seind. Die Pflaumen werden im summer zeitig / fürnemlich im Augstmonat. Die Schlehen aber im Herbst.
Die zamen Pflaumen külen unn feüchten mittelmässig. Die Schlehen ziehen zusamen / wie wir folgends sölchs wöllen klärlicher anzeygen.
Die Pflaumen werden gessen / seind aber dem magen schedlich. Lindern den bauch / doch mehr wann sie frisch seind / dann wann sie dürr werden. Die Damascken aber ziehen mehr zusamen. Die bletter in wein gesotten unnd im mund gehallten / seind gut zu dem geschwollen zäpfflin unnd mandeln / dann sie treiben den fluß hindersich.
Die Schlehen gedörret / ziehen seer zusamen / unnd stellen den bauchfluß. Schlehen gummi in wein jngenommen und getruncken / zermalt den stein. Mit essig angestrichen / heylt es die geflecht / zittern oder rauden der kinder."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)