"Persichbaum (Prunus persica) Der Pfirsich ist mehr warm als kalt, gleichsam ein Bild des Neides: sein Saft ist zu arzneilichen Zwecken nützlicher als seine Frucht. Gegen verschiedene Hautkrankheiten (Flecken, maculae), soll eine Salbe angewandt werden aus dem Safte der inneren Rinde vor der Fruchtreife, mit etwas Essig und Honig. Gegen stinkenden Athem soll ein Trank bereitet werden aus den unreifen Früchten mit einer Hand voll Süssholz, etwas Pfeffer und viel Honig. Eingeweidewürmer sollen durch einen Trank vertilgt werden, bereitet aus den Blättern und der Wurzel der Betonie "bathemen" zur Zeit der Blüthe der Pflanze, aus Pfirsichblättern und gutem Wein. Der Genuss der Frucht ist weder Gesunden noch Kranken zu rathen, weil sie die Säfte verschlechtert und Schleim erzeugt, es sei denn, dass sie ohne Schale und Kern mit etwas Salz und Pfeffer gekocht werde. Gegen Gicht und Dempfigkrit in der Brust wird folgendes Recept verordnet: Aus dem Samen soll eine Milch bereitet werden, etwa fünf Esslöffel voll dieser werden drei Nummi Galganpulver, zwei Nummi Süssholzpulver, ein Obolus Euphorbium und weiter Springwurtz zugesetzt, mit etwas Weizenmehl werde daraus ein Brötchen geformt und dieses an der Sonne oder im Ofen getrocknet. Fünf Nummi davon sollen vor Sonnenaufgang je nach Bedarf genommen werden. Gegen Halsdrüsen und Strikturen dient ein Umschlag aus Mehl und Pfirsichsaft."
(Hildegard von Bingen: Physica (Liber simplicis medicinae), 1150 - 1160)