"Pfefferminzblätter: Pfefferminzblätter bestehen aus den getrockneten Blättern bestimmter (mentholreicher, carvonarmer) Formen der Mentha x piperita, einer durch Kreuzung aus mentholarmen und mentholfreien Eltern hervorgegangenen Kulturform. Ausgangsarten sind wahrscheinlich die Wasserminze (M. aquatica) und die Grüne Minze (M. spicata). Die Vermehrung erfolgt vegetativ durch Kopfstecklinge. Den heute kultivierten Formen der Pfefferminze lassen sich zwei Gruppensorten zuordnen, die in Deutschland als Typ "Mitcham-Minzen" und als Typ "Pfälzer Pfefferminzen" bekannt sind, im angelsächsischen Raum als "black mint" und als "white mint". Die Mitcham-Minzen sind durch ihre violett angelaufenen Blattnerven und Stängel gekennzeichnet. Sie stehen phänotypisch der Wasserminze näher als die Grünen Pfefferminzen, sind ertragreich, winterhart und liefern eine ölreiche Droge mit Ölgehalten meist über 1.7%. Kulturen befinden sich in gemäßigten Klimazonen der Erde, in England, USA, Sowjetunion, Italien, Rumänien, Ungarn, Bulgarien und Frankreich. Demgegenüber werden die Grünen Pfefferminzen vergleichsweise selten angebaut. Ihr Ölgehalt ist geringer, jedoch im Geschmack milder, weshalb sie bei Verwendung als Teeaufguss der Mitcham-Minze vorgezogen werden.
Pfefferminzblätter besitzen einen charakteristischen Geruch nach Menthol, schmecken zunächst brennend würzig, wobei sich rasch ein kühlender Nachgeschmack ausbildet. Inhaltsstoffe sind ätherisches Öl (0,8- über 4%) mit Menthol als Hauptkomponente, Labiatengerbstoff vom Typ der Rosmarinsäure (1-2%), einfache Phenolcarbonsäuren (Kaffee- und Chlorogensäure), Flavone, Triterpensäuren, Karotinoide und mineralische Bestandteile.
Die Droge wird zu verschiedenen Extrakten weiterverarbeitet und ist Ausgangsmaterial zur Gewinnung von Pfefferminzöl. Minze wird auch als Küchenkraut verwendet (engl. "mintsauce"). Im Teeaufguss kommen neben den ätherischen Ölen die schwach adstringierenden Geschmackswirkungen der Gerbstoffe zur Geltung, sodass die Pfefferminze neben schwarzem Tee als koffeinfreies Getränk weit verbreitet ist. Hinzu kommen milde spasmolytische Qualitäten, sowie die reflektorisch über Geschmacks- und Geruchsreize sekretionsfördernden Effekte des ätherischen Öls. Pfefferminzextrakte führen zu einer Tonussenkung des unteren Ösophagussphinkter. Pfefferminztee ist ein ausgezeichnetes Mittel bei dyspeptischen Beschwerden infolge Überladung des Magens. Auch spastische Zustände des Magens, des Pylorus und der Gallenblase reagieren oft überraschend gut.
Unerwünschte Wirkungen sind nicht bekannt. Erhältliche Präparate sind Concisdroge oder grobes Pulver zur Infusbereitung, Teemischungen mit anderen Drogen, sprühgetrocknete Extrakte und Extraktmischungen als Instant-Tees, sowie Trockenextrakte für Kombinationspräparate der Indikationsgruppen Gallenmittel, Magen-Darm-Mittel und pflanzliche Sedativa-Nervina."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Pfefferminzöl: Das Öl wird aus frischem oder angewelktem, seltener aus getrocknetem Kraut der verschiedenen Kulturvarietäten von Mentha piperita gewonnen. Der Handel unterscheidet die Öle nach Herkunftsgebieten: - Pfefferminzöl, englisch (Mitcham), - Pfefferminzöl, französisch, - Pfefferminzöl, italienisch (Italo-Mitcham), - Pfefferminzöl USA (amerikanisch). Auch osteuropäische Länder, wie die ehem. UDSSR und Bulgarien, erzeugen qualitativ bestes Pfefferminzöl.
Das Öl ist eine farblose bis blassgrün-gelbliche Flüssigkeit mit dem kräftigen, durchdringenden Geruch der Pfefferminzpflanze. Der Geschmack ist brennend, hinterher kühlend, v.a. wenn man beim Probieren die Luft in den Mund zieht. Die Droge darf nicht unangenehm bitter schmecken. Die Zusammensetzung wird mitbestimmt durch Varietät, Boden, Klima, Gewinnung (Trocknungsdauer der Pflanze) und Rektifikation. Man muss zwischen den "Rohölen" und den rektifizierten Ölen unterscheiden: durch fraktionelle Vakuumdestillation gelingt es heute, bestimmte störende Bestandteile zu eliminieren, z.B. zu hohe Gehalte an Menthofuran herunterzudrücken.
Mentha-piperita-Öle enthalten Menthol als Hauptkomponente, das frei vorliegt (50-78%) sowie an Essig- und Isovaleriansäure gebunden. Menthofuran trägt entschieden zum feinen Geruch echter Pfefferminzöle bei, und zwar dadurch, dass es sich partiell aufoxidiert; die Oxidationsprodukte liefern ein ganzes Bouquet angenehmer Düfte mit den Geruchsnoten Kumarin, Karamel, Kamille und Tee. Menthofuran gilt als analytischer Leitstoff, der es ermöglicht, die Pfefferminzöle von Minzölen (Mentha arvensis-Gruppe) zu unterscheiden.
Der größte Teil des Öls wird als Geruchs- und Geschmackskorrigens verwendet: In der kosmetischen Industrie zur Aromatisierung von Mundsprays, Mundwässern und Zahnpasten; in der Lebensmittelindustrie für Kaugummi, Schokolade, Süßwaren und Liköre; in der pharmazeutischen Industrie als Korrigens für Pulver, Liquidapräparate und sofort lösliche Tees in einer Konzentration bis 0,1%, sowie als Bestandteil von Lutschtabletten und -bonbons bei Pharyngitis und Husten.
Zur Mentholgewinnung wird Mentha-piperita-Öl nicht herangezogen; hierzu nimmt man die Minzöle von Mentha arvensis var. piperascens, die wesentlich billiger sind."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Pfefferminzöl und Menthol: Pfefferminzöl zeigt annähernd die gleichern physiologischen, pharmakologischen und toxikologischen Eigenschaften wie das Menthol. Allerdings ist seine lokal reizende Wirkung stärker ausgeprägt. Wegen seines angenehmeren Geschmacks bevorzugt man bei der inneren Anwendung das Pfefferminzöl; bei äußeren Anwendungen ist der Reinstoff Menthol angebracht. Innerlich wirken Pfefferminzöl und Menthol appetitanregend, cholagog und lokal spasmolytisch (auf Kardia und Ösophagus). Diese pharmakologischen Qualitäten sind in der therapeutischen Behandlung aber nur dann relevant, wenn die Arzneistoffe in wirksamer Dosis angeboten werden. Die empfohlene Tagesdosis bei innerlicher Einnahme liegt bei 0,05-0,1 g Pfefferminzöl. Diese Dosierung wird in pflanzlichen Polykombinationspräparaten nicht erreicht. Auf eine Zufallsbeobachtung geht die Anwendung von Pfefferminzöl zur Behandlung des "Reizkolons" (Colon irritabile) zurück. Es ist außerdem ein altes Hausmittel bei Verdauungsstörungen, verdorbenem Magen, Blähungen uder Durchfall.
In seltenen Fällen lösen Menthol und Pfefferminzöl allergische Reaktionen aus. Überdosierung führt zu Intoxikationen, die in erster Linie das ZNS erfassen (Kältegefühl, rauschähnliche Zustände, Ataxie, Benommenheit)."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)