"Die meisten Schriftsteller scheinen bei der Erklärung des Pfeffers der Alten keine Schwierigkeiten gefunden zu haben, indem sie ihn auch für den unsrigen hielten. Wenn man indessen die Beschreibungen aufmerksam liest , welche die Alten von dem langen und runden Pfeffer, so wie dem Gewächse der sie liefert, geben und damit den unsrigen, so wie die wahren Pfefferpflanzen selbst vergleicht, so entstehen nothwendig mehrere Zweifel, die eben nicht so leicht zu lösen sind. Theophrast gedenkt des Pfeffers nur mit einigen Worten ; Dioscorides aber und Plinius geben ziemlich übereinstimmende ausführlichere Nachrichten , die indessen etwas verworren sind, und wenigstens, was die Pfefferpflanzen selbst betrifft , nur aus Berichten Anderer geschöpft zu seyn scheinen.
Darf ich meine Meinung über diese Sache äußern, SO möchte ich annehmen , dass die Alten allerdings unsern weißen sowohl als schwarzen und langen Pfeffer kannten, wovon die beiden ersten wie bekannt von Piper nigrum L. der letzte aber von Piper longum L. kommt , sie verwechseln aber mancherlei und waren besonders darin schlecht unterrichtet, indem sie alle drei Pfefferarten einem und eben demselben Gewächse zuschreiben ; dazu kommt nun noch , dass unter ihrem langen Pfeffer wahrscheinlich zwei ganz verschiedene Arten begriffen sind, indem wie ich glaube auch der äthiopische Pfeffer von ihnen so genannt wurde; eine Ansicht, der schon Caspar Bauhin zugethan war. Meine Gründe dazu sind folgende: 1) Der Pfeffer soll nach Dioscorides und Andern von einem Baume kommen; dies passt weder auf Piper nigrum noch P. longum L., wohl aber auf Unona aethiopica Dünal. 2) Dieser Baum soll aufspringende Schoten haben ; auch dies passt nur auf den äthiopischen Pfeffer. 3) Hippokrates der zweite selbst kannte schon den Pfeffer; er lebte aber geraume Zeit früher, ehe Alexander den berühmten Zug nach Indien antrat; und vor dieser Zeit kannten die Griechen kaum indische Gewürze; ich möchte daher was er selbst davon sagt, auf den äthiopischen Pfeffer beziehen , der durch die Aegyptier leichter nach Griechenland gelangen konnte ; auch sagte Hippokrates immer blos peperi, ohne allen Beisatz, darum nämlich, weil man damals nur eine Sorte kannte; in den Büchern von den Weiberkrankheiten dagegen wird der runde und der weiße Pfeffer unterschieden, und gesagt, er sej ein indisches Medikament, das die Perser Pfeffer nennen; dieser letzte Zusatz ist wohl zu beachten , indem er anzudeuten scheint, dass die Griechen eine ganz andere Droge Pfeffer zu nennen gewohnt waren.
Hippokrates empfiehlt den Pfeffer bei Seitenstechen, selbst im Anfange der Krankheit und bei noch heftigem Schmerze 1) Gegen den Starrkrampf ließ man Pfeffer mit warmer Hühnerbrühe nehmen 2 ), auch brauchte man ihn bei Brustkrankheiten zur Beförderung des Auswurfes 3 ). Bei schweren Geburten ließ man ihn mit Wein nehmen. Hysterischen wird er ebenfalls empfohlen 5 ). In Mutterkränzen wurde der Pfeffer zu mancherlei Zwecken und mit verschiedenen Zusätzen beigebracht . Pfeffer mit Castoreum wird zum Ausspülen des Mundes bei Zahnweh empfohlen.
Unter dem Namen indisches Medikament hatte man auch eine Mischung aus Anis, Dill, Myrrhe und Wein, deren man sich zum Reinigen der Zähne bediente."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)