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"[II.188. - Pfeffer] - Piper nigrum (Piperaceae) - Schwarzer Pfeffer, Piper album (Piperaceae) - Weisser Pfeffer, Piper longum (Piperaceae) - Langer Pfeffer
Der Pfeffer soll ein kleiner, in Indien wachsender Baum sein. Er trägt eine Frucht, welche anfangs länglich ist wie eine Schote, dieses ist der lange Pfeffer, welcher im Innern ein der zarten Hirse ähnliches Korn enthält, welches später der Pfeffer werden will. Sie (die Frucht) öffnet sich um die richtige Zeit und entwickelt Trauben, welche Körner tragen, die wir kennen, teils nämlich herb, wie unreife Weintrauben; diese sind der weisse Pfeffer, vorzüglich geeignet zu Augenmitteln, Gegenmitteln und zu Theriak gegen giftige Thiere. [Der lange Pfeffer hat eine stark beißende Kraft und ist etwas bitter wegen der Unreife und nützlich zu Gegenmitteln und zum Theriak gegen giftige Tiere]. Der schwarze ist süßer und schärfer, auch dem Magen bekömmlicher als der weiße, und, da er reif ist, viel gewürziger, eignet sich darum allein besser zum Würzen der Speisen. Der weiße und herbe ist schwächer als die vorgenannten. Wähle den schwersten und vollen, den schwarzen, den nicht sehr zusammengeschrumpften, dagegen den frischen und nicht kleieartigen. In dem schwarzen findet sich etwas nicht Ausgebildetes, Leeres und Leichtes, welches Brasma heißt. Er hat gemeinsam (allen Sorten) erwärmende, harntreibende, die Verdauung befördernde, reizende, zerteilende, die Verdunkelungen auf den Augen vertreibende Kraft. Innerlich und äußerlich angewandt ist er auch bei periodischen Frostschauern (Wechselfiebern) von guter Wirkung. Er hilft gegen den Biss giftiger Tiere und treibt die Leibesfrucht aus. Er scheint auch die Empfängnis zu verhindern, wenn er nach dein Beischlaf ein Zäpfchen eingelegt wird. Er ist ein gutes Mittel gegen Husten und alle Brustleiden, wenn er in Leckmittel und Tränken genommen wird, mit Honig eingestrichen dient er gegen Entzündung der Schlundmuskeln. Mit zarten Lorbeerblättern genommen beruhigt er Leibschneiden. Mit Rosinen gegessen treibt er den Schleim ab; er stillt Schmerzen, macht Schlaf und Appetit. Als Zusatz zu Brühen unterstützt er die Verdauung. In Teer aufgenommen zerteilt er Drüsen, mit Natron entfernt er weiße Flecken. geröstet wird er in einem neuen irdenen Geschirr auf Kohlen unter Umrühren wie Linsen. Seine Wurzel ist aber nicht die Wurzel des Ingwer, was Einige angenommen haben, wie ich sogleich zeigen werde. Die Wurzel des Pfeffers gleicht wohl dem Kostos, sie hat einen brennenden Geschmack und zieht das Feuchte an, mit Essig aufgelegt und getrunken verkleinert sie die Milz. Mit scharfem Rittersporn gegessen führt sie den Schleim weg."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)