"Die Alten hatten mehrere Arten von Panakes; vergleicht
man aber die Art und Weise wie die Hippokratiker
es anwendeten mit den Wirkungen , die jeder
einzelnen Art von den späteren Schriftstellern zugeschrieben
werden, so kann man es nur auf diejenige
beziehen, welche Dioscorides nennt, von der,
wie er sagt, das Opopanax gesammelt wird. Dies kommt,
wie wir wissen, von Pastinaca Opopanax L, oder
Ferula Opopanax Sprengel, eine Pflanze, die in
Griechenland, so wie in andern Gegenden im wärmeren
Europa wild wächst. Dumont d'Urville fand sie,
doch nicht häufig , auf der Insel Samos. Nach Dioscorides
wächst sie viel in Spanien und Arkadien, aber,
setzt er hinzu, man zieht sie, des Gewinns wegen,
nicht selten in Gärten. Das herkulische Panakes ziehen
zwar mehrere auf Heracleum Panacea; doch hat diese
Annahme eben nicht viel für sich: eher würde noch
Pastinaca lucida Gouan darauf passen.
Dodonäus untersuchte vielleicht zuerst die wahre
Pflanze, welche das Opopanax liefert; er hatte sie von
Peter Coudenberg, Apotheker in Antwerpen erhalten,
der sie aus Saaxnen , den man in dem Opopanax gefunden
hatte, zog; auch bemerkt Dodonäus, dass sie
selbst in dem kalten Klima Bataviens einen dem Opopanax
ähnlichen Saft liefere. Um so mehr ist es zu
verwundern, dass er sie doch nicht für die wahre
Pflanze der Alten hielt, wovon ihn nur die Form der
Blätter abhalten konnte, die allerdings von der Beschreibung,
die Dioscorides gibt, etwas abweicht. Boccone
untersuchte übrigens die Sache später, und setzte
sie außer allen Zweifel.
Hippokrates ließ das Panakes mit Sauerhonig kochen
und durchgeseiht bei Entzündung der Leber und
des Zwerchfells nehmen , sonst gab man es zur Beförderung
der Geburtswehen und bei hysterischen
Beschwerden mit Wein oder Wasser.
"
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)