"Die Alten kannten und unterschieden mehrere Arten von Wolfsmilch, deren sie sich als Arzneimittel
bedienten ; sie bemerkten aber auch schon sehr richtig,
dass dieselben in Hinsicht ihrer Wirkung große Aehnlichkeit
hätten, daher ohne Unterschied bald diese bald
jene Art angewendet wurde. Mehrere derselben wachsen
in Teutschland nicht, auch ist es eben nicht ganz
leicht, die den Alten bekannten Arten genau zu bestimmen.
So oft Tithymallos ohne Beisatz gesagt wird,
muss wohl diejenige Art verstanden werden, die Dioscorides
als erste und männliche beschreibt, und die sich
durch ihre Blätter, die denen des Oehlbaums ähnlich
sind , auszeichnet. Mathiolus war, so viel mir bekannt,
der erste, der diese nur im südlichen Europa wachsende
Art beschrieb; er hatte sie von Lukas Ghini, dem
Gründer mehrerer botanischer Gärten in Italien erhalten.
Es ist Euphorbia Characias L..
Der Saft dieser Art wurde als Purgirmittel nicht
selten angewendet. In der Wassersucht gebrauchte ihn
Hippokrates; er ließ zu dem Ende sieben Tropfen des
Saftes auf eine Feige bringen, diese trocknen und dem
Kranken vor dem Essen reichen . Dioscorides gibt
genau die verschiedenen Arten an , wie man den Saft
aufbewahrte und gab, so wie die Vorsichtsmaßregeln,
die seiner Schärfe wegen zu beobachten sind .
Auch in Fiebern gab man ihn als Purgirmittel . Aeusserlich
brauchte man ihn um Verhärtungen zu schmelzen
und legte, doch kaum zweckmäßig, frische Blatter
auf entzündete Stellen."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)