"Die Alten kannten mehrere Arten von Osterluzey,
die am besten von Dioscorides beschrieben wurden, nach
dessen Angaben sie zu bestimmen sind. Er hat drei Arten , eine runde, eine lange und eine dritte die er auch
die rankende oder windende nennt. Fast allgemein hat
man dafür Aristolochia rotunda L., A. longa L. und A.
Clematitis L. angenommen, ja die Sache als gewiss und
ausgemacht angesehen: demungeachtet trete ich keiner
dieser Bestimmungen bei, sondern glaube sie folgendermaßen
erläutern zu müssen.
1) Die runde Aristolochie des Dioscorides ist Aristolochia pallida
Willden., welche Clusius als
Aristolochia rotunda altera beschrieb. Dioscorides
sagt ausdrücklich , die Pflanze habe eine weiße Blume,
die der A. rotunda L. ist aber schwarzroth,
dagegen die der A. pallida allerdings weiß ist und
nur wenig ins rötbliche fällt.
2) Die lange Aristolochie des Dioscorides halte ich
für Aristolochia sempervirens L. , welche
auf Kreta häufig wild wächst. Dioscorides sagt, die
Blätter sind länglicht , was recht gut au£
die genannte Pflanze passt, nicht aber auf die der A.
longa. —
Dioscorides sagt, die Blume ist purpurroth. Vollkommen
passt dies auf A. sempervirens, dagegen
A. longa schmutziggelbe Blumen hat. Auch das,
was Dioscorides von der Wurzel sagt, stimmt genau
zu. Endlich muss ich noch bemerken, dass
nach Forskäl diese Pflanze innerlich und äußerlich
gebraucht in Egypten als ein wichtiges Mittel gegen
den Biss giftiger Schlangen angesehen wird, und genau
dies sagt Dioscorides.
3) Dass Aristolochia Clematitis L. nicht die des Dioscorides
ist, lehrt im Grunde schon das griechische
Wort, welches rankend oder windend bedeutet.
Eine Eigenschaft, die der Linneischen Pflanze nicht
zukommt; dagegen aber Aristolochia boetica und
A. altissima , die beide in Kreta wachsen, mit ihren
langen dünnen Ranken oft über die Gipfel der Bäume
hinaus steigen.
Die letztere Aristolochie wurde für weniger wirksam
gehalten, als die beiden andern, auf die ich zu beziehen
geneigt bin, was in den hippokratischen Schriften
von der Aristolochie gesagt wird.
Wie schon der Name vermuthen lässt diente die
Pflanze und hauptsächlich deren Wurzel bei Mutterbeschwerden
; man gab sie zur Beförderung der Menstruation, zu Muttertränken , bei hysterischen Beschwerden
, ferner bei Brustkrankheiten , gegen
die Wassersucht, zu welchem Ende ein Stück der Wurzel
, so groß wie das Fersenbein eines Hirsches , angewendet
werden soll . Das Pulver brauchte man zum
Einstreuen in Wunden und Geschwüre."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)