"Waldrebenhohlwurzel, Aristolochia Clematitis, L.
mit herzförmigen Blättern, aufrechtem Stengel, und in den Blattwinkeln gedrängt stehenden Blüthen; ein über einen Fuß hohes Kraut mit mehrjähriger Wurzel schon im temperirten Deutschland, Oestreich, Schwaben, um Barby u.s.w. in Gebüschen, auf Mauern und an Ackerrändern einheimisch, welches den Sommer überblüht, und in unsern Gärten stark wuchert.
Die zylindrische, einfache, wenig faserichte, lange, kaum eines kleinen Fingers dicke, äusserlich glatte, bräunlichgrüne, innerhalb weißlichte Wurzel (Rad. aristolochiae vulgaris, s. tenuis, s. baeticae) hat einen duftenden, etwas widrigen Geruch, und einen auffallenden, bittern, lange im Munde anhaltenden Geschmacke. Ungeachtet die Aerzte sie für schwächer als die Rundhohlwurzel und die andern Arten halten, so wird sie doch in einigen Ländern vorzugsweise vor den übrigen Arten angewendet, schon deshalb, weil sie am leichtesten im Freien, und überall fortkömmt und deshalb immer frisch zu haben ist. Auch soll sie weniger erhitzen, und zugleich den Leib eröfnen. Man bedient sich ihrer zu gleichen Absichten als der Rundhohlwurzel, besonders (doch nicht immer ohne üble Folgen) zur Verhütung des Podagras und der vor demselben hergehenden Wadenkrämpfe, gegen Bleichsucht und äusserlich in übelartigen Geschwüren vorzüglich zur Tilgung des schwammigen Fleisches, und in Knochenfäule. Zu lezterem Behufe werden auch die Blätter frisch aufgelegt, oder trocken als Pulver eingestreut. "
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1793)

"Langhohlwurzel, Aristolochia longa, L.
mit herzförmigen, gestielten, ganz glattrandigen ziemlich stumpfen Blättern, schwachem Stengel und einzelnen Blumen, ein niederliegendes, etwa fußhohes, im südlichen Europa einheimisches Gewächs mit perennirender Wurzel, welches in unsern Gärten wuchert, und im July dunkelpurpurroth blüht. Es unterscheidet sich von der ihr im Aeußern so ähnlichen Rundhohlwurzel durch die länger gestielten, blaßgrünern Blätter.
Die daumstarke, zylindrische, spannenlange, mit Längenrunzeln gefurchte, harte, ziemlich zerbrechliche, äußerlich aschgraue, auf dem Queerschnitte gleichförmig rothbraune, wellenartig gefärbte Wurzel (Rad. Aristolochiae longae, verae) hat einen etwas widrigen Geruch, und einen ähnlichen bitterlichen Geschmack. Die Neuern schätzen sie der Rundhohlwurzel (w.s.) an Kräften gleich, fast eben so die Alten, nur daß diese sie vorzugsweise zur Erweiterung der Fontanelle und Fisteln anwendeten, auch wie man versichert in Hautkrankheiten. Ein nicht noch mit Gründen unterstützter Vorzug.
Im Ganzen ziehen die ältern Aerzte die Rundhohlwurzel ihr vor, w.s. "
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1793)

"Netzblatthohlwurzel, Aristolochia Pistolochia, L.
mit herzförmigen, feingekerbten, unten netzförmigen, gestielten Blättern, und einzelnen Blumen, ein niederliegendes Kraut mit mehrjähriger Wurzel auf dürren, felsichten Hügeln in der Schweitz, Provence, Languedoc, Italien und Spanien einheimisch, mit kleiner schwärzlichter oder gelblicht grüner Blume.
Die Wurzel (Rad. Pistolochiae, Aristolochiae polyrrhizae) besteht aus einer Menge dünner, etwa sechs Zoll langer, graugelber, von einem kleinen Kopfe entspringender Fasern, von sehr angenehmem aromatischem Geruche und scharfem, bitterm Geschmacke, und ward von den Alten allen übrigen Arten Osterluzei als Reitzmittel in chronischen Krankheiten mit trägem Blutlaufe vorgezogen, so wenig sie auch jetzt in Gebrauch gezogen wird. "
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1793)

"Rundhohlwurzel, Aristolochia rotunda, L.
mit herzförmigen, stumpfen, fast stiellosen Blättern, schwachen Stengel und einzelnen Blumen, ein etwa anderthalb Fuß hohes Kraut mit perennirender Wurzel im wärmern Europa auf fettem Wiesenboden und Ackerrändern einheimisch, wo es zeitig im Frühling (in unsern Gärten aber im August) dunkelpurpurroth blüht.
Die knollige, einer Kartoffel an Größe und Gestalt ähnliche Wurzel (Rad. Aristolochiae rotundae) ist äußerlich braun, runzlicht, knotig, innerlich gelblicht, von starkem, unangenehmem Geruche, und scharfem, bitterm Geschmacke. Einige halten diese, Andre die Langhohlwurzel für kräftiger, beide sind botanisch wenig verschieden, außer in der Gestalt der Wurzel. Ihre Kräfte sollen überhaupt mit denen der Langhohlwurzel übereinkommen (w.s.). Man schätzt sie in der skorbutischen Engbrüstigkeit, in der unterdrückten Monatreinigung, in der Gicht (unter den von allen bittern Mitteln in dieser Krankheit zu befürchtenden Folgen, vorzüglich bei gall- und blutreichen Personen), beim Magendrücken und zur Austreibung einiger Ausschläge. In schlafsüchtigen Krankheiten hat man sie zu Klystiren genommen, und als Pulver und Absud äußerlich in alten Geschwüren. Alle diese Lobpreisungen sind aber praktisch noch allzu unbestimmt. "
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1793)