"[IV.168. - Purgirwinde] - Convolvulus scammonia (Convolvulaceae) - Purgirwinde
Die Skammonia [Einige nennen sie Skamboniawurzel, Andere Kolophonia, auch Daktylion, die Römer Colophonium, die Propheten Apopleumonos, die Aegypter Sanilum] entwickelt aus einer einfachen Wurzel viele drei Ellen lange fette, etwas rauh erscheinende Triebe; auch die Blätter sind rauh, denen der Ackerwinde oder des Epheus ähnlich, aber weicher und dreieckig. Die Blüthen sind weiss, rundandig, hohl wie Körbe mit durchringendem Geruch. Die Wurzel ist sehr lang, armdick, weiss, stark riechend und voll Saft. Der Saft wird gesammelt, indem der Wurzelkopf abgeschnitten und eine gewölbeartige Höhlung eingeschnitten wird; der Saft fliesst dann in diesen zusammen und wird so in Muscheln aufgenommen. Einige graben auch ein rundes Loch in die Erde, legen es mit Nussblättern aus, lassen den Saft darauffliessen und nehmen ihn, wenn er so trocken geworden ist, weg. Am besten ist er, wenn er durchscheinend, leicht, locker ist, die Farbe von Stierleim und feine Gänge hat und schwammig ist. So beschaffen ist der aus Mysien an der Grenze von Asien bezogen. Man darf aber sein Augenmerk nicht allein darauf richten, dass er bei der Berührung mit der Zunge weiss wird, dieses findet auch statt, wenn er mit Wolfsmilchsaft verfälscht ist, vielmehr auf die vorerwähnten Eigenschaften (muss man achten) und darauf, dass er auf der Zunge nicht brennt, was aber geschieht, wenn er mit Wolfsmilch(-Saft) vermischt ist. Der syrische und der aus Judäa stammende ist der schlechteste, er ist schwer, dicht, mit Wolfsmilch und Erbsenmehl verfälscht. Der Saft, in der Menge von 1 Drachme oder 4 Obolen mit Honigmeth oder Wasser genommen, hat die Kraft, nach unten Galle und Schleim abzufahren, um aber den Bauch zu öffnen, reichen 2 Obolen mit Sesam oder irgend einem anderen Samen hin. Zum kräftigeren Purgiren dagegen werden 3 Obolen Saft, 2 Obolen schwarze Nieswurz und 1 Drachme Salz gegeben. Purgirsalz bereitet man aber, indem man 6 Becher Salz mit 20 Drachmen Skanmoniensaft vermischt. Was die Wirkung betrifft, so nimmt man zu einer vollen 3, zur mittleren 2, zur geringsten 1 Löffel voll. Es bewirken aber auch 1-2 Drachmen der Wurzel mit den genannten Zusätzen Puirgiren. Einige kochen sie und trinken sie dann. Mit Essig gelzocht und mit Gerstenmehl fein gestossen ist sie ein gutes Kataplasma bei Ischias. Der Saft, in Wolle als Zäpfchen in die Gebärmutter gelegt, tödtet den Embryo; er vertheilt aber auch Drüsen, wenn er mit Honig oder Oel aufgestrichen wird. Mit Essig gekocht und aufgestrichen vertreibt er Aussatz; mit Essig und Rosenöl ist er ein Besprengungsmittel gegen chronische Kopfleiden."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[V.83. - Purgirwindenwein]
5 Drachmen der Wurzel, welche um die Zeit der Weizenernte gegraben ist, lege fein gestossen und in Leinen gebunden in 1 Chus Most dreissig Tage lang. Er reinigt den Bauch, indem er Schleim und Galle abführt."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)