"Olivenöl: Olivenöl ist das aus frischen Früchten von Olea europaea bei der ersten Pressung ohne Wärmezufuhr gewonnene, klar filtrierte Öl.
Der Ölbaum wird in zahlreichen Kulturvarietäten im Mittelmeergebiet sowie in Ländern ähnlichen Klimas (Südafrika, Kalifornien, Australien) gezogen. Der Ölbaum wächst sehr langsam. Die ersten Früchte setzt er in einem Alter von etwa 10 Jahren an; weitere zwei Jahrzehnte sind notwendig, bis die Ernten voll ergiebig werden. Bäume, die hundert Jahre alt sind und darüber, sind in den Kulturen keine Seltenheit.
Olivenöl enthält hauptsächlich Glyceride der Ölsäure, die über 75% der Gesamtfettsäuren ausmachen. Neben Glyceriden der Palmitin- und der Linolsäure kommen auch geringe Mengen freier Fettsäuren vor. Der Gehalt des Öles an diesen freien Fettsäuren ist eine Art Maßstab für die Güte des Öles, da die zweite und dritte Pressung mit ihren energischen Bedingungen (Temperatur, Druck) Öle höheren Säuregehaltes mit entsprechend strengerem Geschmack liefern.
In erster Linie ist Olivenöl ein sehr begehrtes Speiseöl. In der Pharmazie dient es zur Herstellung von Linimenten, Salben und Pflastern; auch zieht man es als Vehickel zur Herstellung öliger Lösungen und Suspensionen (für Injektionszwecke) heran."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)