"[I.136. - Wilder Ölbaum]
Der wilde Ölbaum, welchen Einige Kotinos, Andere den äthiopischen Ölbaum nennen, hat adstringirende Blätter; fein gestoßen als Umschlag wirken sie bei roseartigen Hautentzündungen, kriechenden Geschwüren, Epinyktis, Karbunkeln, um sich fressenden Geschwüren und Nebennägeln, mit Honig umgeschlagen reißen sie den Schorf ringsum auf. Sie reinigen mit Honig als Umschlag aber auch schmutzige Wunden, zerteilen entzündete Schamdrüsen und Geschwülste und verbinden die getrennte Kopfhaut. Als Kaumittel heilen sie dann auch Geschwüre im Munde und Soor. Ihr Saft und Decoct tun dasselbe. Der Saft, im Zäpfchen angewandt, hält den Blutfluss und (weißen) Fluss der Frauen zurück, ebenso die Bildung von Geschwülsten und Blattern in den Augen. Auch selbst Wunden und alte Flüsse bringt er wieder in Ordnung. Darum eignet er sich auch in der Mischung mit Kollyrien gegen angefressene Augenlider. Zur Saftbereitung muss man die Blätter stoßen, Wein oder Wasser dazu gießen und auspressen, ihn in der Sonne eintrocknen und formen; besser ist aber der mit Wein ausgepresste, er eignet sich zur Aufbewahrung eher als der mit Wasser bereitete. Er wirkt auch bei eiterigen und schwärenden Ohren. Die Blätter mit ungeröstetem Gerstenmehl zusammen sind als Umschlag nützlich bei Magenleiden. Auch werden die Blätter samt den Blühen - sie werden statt des Spodium, genommen - in einem rohen Topfe gebrannt, dessen Öffnung mit Lehm verstopft ist bis zum Glühen des Tiegels; dann werden sie mit Wein abgelöscht, wiederum mit Wein vermischt und ebenso gebrannt, darauf worden sie wie Bleiweiß gewaschen und geformt. Eine derartige Brennung scheint aber nicht hinter der des Spodiums zurückzustehen zur Bereitung von Augenmitteln Deshalb ist auch eine gleiche Wirkung anzunehmen."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.137. - Ölbaum] - Olea europaea (Oleaceae) - Ölbaum
Dasselbe leisten nun auch die Blätter des kultivierten Ölbaums, an Kraft bleiben die aber zurück (hinter dem wilden). Deshalb eignen sie sich auch mehr zu Augenmitteln, weil die dazu passender sind. Die Flüssigkeit, welche aus dem angezündeten grünen Holz sich ausscheidet, heilt, damit eingerieben, Grind, Krätze und Flechten, auch die Frucht desselben hilft als Umschlag gegen Grind und fressende Geschwüre. Das Innere des Kerns mit Fett und Mehl entfernt krätzige Nägel."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.29. - Öl aus unreifen Oliven] - Olea europaea (Oleaceae)
Das beste Öl zum Gebrauch in gesunden Tagen ist das aus unreifen Oliven, welches auch Omphakion genannt wird. Dabei hat den Vorzug das frische, nicht scharfe, gut riechende; ein solches eignet sich aber auch gut zur Bereitung der Salben.
Es ist auch dem Magen bekömmlich wegen seiner adstringierenden Kraft, heilt Wunden und befestigt die Zähne, wenn es im Munde gehalten wird, auch hält es den Schweiß zurück."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.30. - Gewöhnliches Öl]
Das ältere aber und fettere Öl ist für die Verwendung zu Arzneimitteln geeignet. Im Allgemeinen ist jedes Öl erwärmend und das Fleisch erweichend, den Körper vor zu starker Abkältung schützend und zur Arbeit erfrischend. Es hat auch die Eigenschaft, offenen Leib zu machen und zu erweichen, dabei mildert es in der Mischung die Kräfte der beißenden Mittel. Auch gegen tödliche Gifte wird es gegeben, wobei es anhaltend getrunken und wieder erbrochen wird. Zu 1 Kotyle mit gleich viel Gersten- schleim oder Wasser genommen führt es ab; den an Krämpfen Leidenden wird es zu 6 Bechern mit Nutzen in einer Abkochung von Raute gegeben. Auch die Würmer treibt es ab. Ganz besonders aber wird dasselbe gegen Darmverschlingung eingesetzt. Das alte ist aber sowohl erwärmender als auch stärker abführend. Es ist eine Salbe für Scharfsichtigkeit. Sollte das alte Öl aber mangeln, so wird es auf diese Weise hergestellt: Von vorhandenem Öle gieße das bessere in einen Kessel, koche, bis es die Konsistenz des Honigs erhalten hat und gebrauche es, denn es besitzt dieselbe Kraft, wie das vorher genannte."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.139. - Öl des wilden Ölbaumes]
Das Öl des wilden Ölbaumes ist adstringirender, für den Gebrauch in gesunden Tagen kommt es an zweiter Stelle. Es wirkt gegen Kopfschmerzen an Stelle des Rosenöls, hält den Schweiß zurück und ver- hindert das Ausfallen der Haare. Es vertreibt Schorf, bösen Grind und Aussatz, auch verzögert es, jeden Tag eingerieben, das Grauwerden der Haare.
Das Öl aus der wilden Olive ist eine Mundspülung bei fauligem Zahnfleisch und ein Befestigungsmittel für etwas lose Zähne. Die Bähung damit, wenn es erwärmt und geklärt ist, erweist sich heilsam für Zahnfleisch, welches vom Flusse heimgesucht ist. Man muss aber Wolle um eine Sonde legen, sie in das Öl tauchen und an das Zahnfleisch legen, bis es weiß erscheint."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.140. - Ölsatz]
Ölsatz ist der Bodensatz des ausgepressten Olivenöls, dieser, in einem kupfernen Kessel bis zur Honigkonsistenz, eingekocht , adstringirt, ist wirksam gegen das, wogegen Lykion wir , aber die Maassen aber auch gegen Zahnschmerzen und Wunden, wenn er mit Essig, Wein oder Honigwein als Salbe verwandt wird. Er wird auch den heilkräftigen Augenmitteln und den hautbildenden Mitteln zugemischt. Mit dem Alter wird er gar besser. Sehr dienlich ist er als Klistier bei Geschwüren im After, in der Scheide und Gebärmutter. Mit dem Saft unreifer Trauben bis zur Honigkonsistenz gekocht und umgeschlagen zieht er verdorbene Zähne heraus. Mit einer Abkochung von Lupinen und Mastixdistel eingeschmiert heilt er die Krätze der Haustiere. Ungekocht und frisch in warmer Bähung hilft er denen, die an Podagra und Gicht leiden. Auf Schaffell gestrichen und Wassersüchtigen umgelegt vertreibt er die Geschwulst."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.32. - Weißes Öl]
Das Öl wird auf folgende Weise weiß gemacht: Nimm solches von weißer Farbe, welches nicht über ein Jahr alt ist, und gieße es in ein neues irdenes, weithalsiges Gefäß, es sei ein Maass von 100 Kotylen. Dann setze es an die Sonne und fülle es jeden Tag um Mittag mit einer Muschelschale um, es aus der Höhe herabströmen lassend, damit es durch das fortwährende Bewegen und Stürzen umgerührt wird und schäumt. Am achten Tage feuchte 50 Drachmen reinen Bockshornsamen mit warmem Wasser an und wirf ihn angeweicht, ohne das Wasser auszudrücken, in das vorgenannte Öl. Weiter gib hinzu von äußerst fettem, fein gespaltenem Fichten- holz gleich viele Drachmen und lass es ebenso acht Tage auf einander einwirken; nach diesen schöpfe das Öl mit einer Schale um. Das Ganze nun, wenn die Operation beendet ist, bringe in ein neues, mit altem Wein ausgespültes Gefäß, nachdem vorher 11 Unzen Steinkleesträucher und ebenso viel Schwertlilie hineingestreut sind, und setze es bei Seite; wenn aber nicht (es gut geworden ist), setze es wiederum an die Sonne. Und das ist zu tun, bis es weiß geworden ist."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.33. - Sikyonisches Öl]
Nach dem Vorhergesagten lässt sich das sikyonische Öl auch so bereiten. In einen weiten verzinnten Kessel gieße 1 Chous frisches weißes Öl von unreifen Oliven und je ½ Chous Wasser und koche bei gelindem Feuer unter schwachem Umrühren. Nach zweimaligem Aufkochen ziehe das Feuer darunter weg und nach dem Abkühlen schöpfe das Öl mit einer Schale aus. Dann gib anderes Wasser dazu und koche es damit, mache das Übrige, wie eben angegeben ist, und stelle es bei Seite. Dieses wirdaber vorzugsweise in Sikyon hergestellt und Sikyonion genannte Es hat aber eine gewisse erwärmende Kraft und ist angezeigt bei Fiebern und Nervenleiden. Die Frauen gebrauchen dasselbe auch beim Glänzendmachen der Haut."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.37. - Honigöl]
Das Honigöl fliesst in der Gegend von Palmyra in Syrien aus dem unteren Stammende der Oelbäume, dicker als Honig, von süssem Geschmack, welches, in einer Menge von 2 Bechern mit 1 Kotyle Wasser genommen, das Hohe und Gallige aus dem Bauche abführt; kraftlos und schlaff aber werden diejenigen, welche es nehmen, was jedoch keine Furcht einflössen darf, man muss diese aufmuntern, dass sie nicht in Schlafsucht verfallen. Das Oel wird auch aus dem Fette der Zweige bereitet. Das beste davon ist das alte, dickliche, fette und nicht trübe. Es erwärmt aber und wirkt eingestrichen ganz besonders gegen die Verdunkelungen auf der Pupille, heilt auch als Salbe Aussatz und Neuralgien (Sehnenschmerzen?)."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.138. - In Salzlake eingemachte Oliven]
Eingemachte fein gestoßene Oliven lassen als Umschlag bei Verbrennungen mit Feuer keine Blasenbildung aufkommen und reinigen schmutzige Wunden. Ihr Saft aus der Salzbrühe als Mundwasser zieht das Zahnfleisch zusammen und befestigt lose Zähne. Die gelbliche und frische Olive ist schwer verdaulich, (aber) magenstärkend, die dunkle aber und reife ist leicht verderblich und dem Magen schädlich, ferner ist sie für die Augen untauglich und verursacht Kopfschmerzen; geröstet aber und umgeschlagen hemmt sie fressende Geschwüre und eröffnet Karbunkeln."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)